Rücken oder Psyche (1)?

Viele Manager haben nicht nur erkannt, dass kranke Mitarbeiter wenig nützen und trotzdem viel kosten. Sie haben auch schon Programme über den gesetzlichen Arbeitsschutz hinaus entwickelt, um die Gesundheit zu fördern. Damit leisten sie auch einen Beitrag zum bereits erwähnten Employability-Erhalt.

Häufig eingesetzte Gesundheismaßnahmen

Diese Maßnahmen zielen zum größten Teil direkt oder indirekt auf die körperliche Fitness ab, so zum Beispiel

  • Firmeninterne Rückenkurse
  • Förderung von Mitgliedschaften in Fitnessclubs
  • Augentraining
  • Entspannungskurse
  • Gesundes Kantinenessen
  • etc.

Solche Programme können sowohl direkt zur körperlichen Gesundheit beitragen als auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Bewegung, Ernährung und Entspannung schärfen. Offensichtlich reichen sie aber nicht aus.

Alle Bemühungen konnten ein Phänomen nicht aufhalten, das sich rasant entwickelt hat und verstärkt mit in den Blick genommen werden muss: Das Problem der Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen.

Stressbedingte Krankheiten

Moment. Wird das Thema nicht nur von den Medien hochgespielt? Wirkt es nicht nur so, weil alle drüber schreiben und diskutieren? Ist das Problem wirklich so verbreitet?

Im Jahr 2011 hat sich das Phänomen Burnout zu einem beherrschenden Medienthema entwickelt. „Der Spiegel“ erwähnte in der Ausgabe Nr. 30 vom 25.7.2011 basierend auf einer Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK, die Ausfälle aufgrund solcher Erkrankungen hätten seit 1994 um mehr als 80 Prozent zugenommen.

Ob das menschlich für Sie erträglich ist, hängt von Ihrem Wertesystem ab. Betriebswirtschaftlich ist es definitiv unerträglich im wortwörtlichen Sinne: Der Ertrag sinkt oder ist zumindest geringer als er es ohne diese Ausfälle wäre.

Dann sind wir vielleicht alle verweichlicht? Oder deutlicher: Die sind alle verweichlicht und verwöhnt. Von sich selbst würde man das wohl kaum behaupten. Machen es sich die Mitarbeiter leicht, weil Burnout so salonfähig geworden ist? Unterstützen die Ärzte dieses Verhalten durch vorschnelle ‚Burnout-„Diagnosen’ (oder ’Erschöpfungsdepression’)?

Die Wahrheit ist: Wir wissen es nicht. Aber zu unseren Erfahrungen passt das nicht. Unsere Erfahrung ist vielmehr, dass Eingeständnisse wie „Ich kann nicht mehr“, „Ich hab’s nicht mehr im Griff“, „Ich brauche Hilfe“ – womöglich sogar psychologische (pfui!) – noch immer ausgesprochen unpopulär sind. Insbesondere gilt das für Führungskräfte. Da steckt ja die Kraft schon im Wort, wie sollte man die verlieren? Selbst bei der Krankmeldung sagen Mitarbeiter noch: „Der Arzt hat was von Burnout gesagt, aber ich muss mich nur mal richtig erholen. In zwei Wochen bin ich wieder da.“

Unserer Ansicht nach kommen wir nicht darum herum, Burnout als echtes Thema anzuerkennen, dem wir irgendwie begegnen müssen. Es ist nicht gerade unser Schwerpunktthema, aber wie die Führungskräfte müssen wir die Anzeichen erkennen und wollen dazu beitragen, dass es möglichst selten auftritt. Deshalb lesen Sie in den kommenden Artikeln unsere Gedanken dazu.

 

Lydia Girndt

 

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