Mitarbeiterbindung (1): Es geht mir gut

Leider ist Ihr Unternehmen nicht das einzige, das sich um gute Mitarbeiter bemüht. Wenn Suche, Auswahl und Integration der Mitarbeiter gut funktioniert haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mitarbeiter bleiben, deutlich erhöht. Doch die Gefahr, die guten Leute wieder zu verlieren, ist nicht dauerhaft gebannt. Dieser Artikel schafft einen Einstieg ins Thema über die Mitarbeiterzufriedenheit. In der Fortsetzung werden wir einen Überblick geben, wie Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung systematisch geplant werden können.

Mitarbeiterzufriedenheit: Sie reicht nicht, hilft aber

Ein zufriedener Mitarbeiter, der nichts leistet, kann nicht das Ziel sein. Immerhin zieht er dann nicht andere durch sein Genörgel mit, aber die Personalkosten rechtfertigt er trotzdem nicht. Mitarbeiterzufriedenheit ist für ein Wirtschaftsunternehmen kein Selbstzweck. Wollen wir hier also nur an Ihre Menschlichkeit appellieren? Das gerne auch, aber unabhängig davon gilt: Wer leistungsfähig ist, aber keine Leistungsbereitschaft hat, leistet auch nichts. Die Zufriedenheit ist ein Faktor, der zur Leistungsbereitschaft beiträgt – und insofern Mittel zum Zweck.

Die Artikel zur Rekrutierung haben gezeigt, dass die Mitarbeiterzufriedenheit heute noch einen weiteren Zweck erfüllen soll. Arbeitgeber suchen händeringend qualifizierte Leute, während sich qualifizierte Leute ihren Arbeitsplatz aussuchen und Forderungen stellen können. Unter solchen Bedingungen spielt die Mitarbeiterzufriedenheit eine große Rolle als Mitarbeitergewinnungs- und -bindungsfaktor.

Aspekte der Zufriedenheit

Die Gesamtzufriedenheit setzt sich aus der Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der Arbeitswelt zusammen. Eine mögliche Einteilung ist

  • die Arbeit an sich
  • die unmittelbare und weitere Arbeitsumgebung
  • die Rahmenbedingungen und
  • die Nebeneffekte

Die Arbeit an sich, also die eigene Tätigkeit, beschreiben Mitarbeiter meist dann als befriedigend, wenn sie weitgehend ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht und Herausforderungen beinhaltet. Die Fähigkeiten lassen sich natürlich weiterentwickeln, jedenfalls wenn Sie bei der Personalauswahl stärker auf das Potenzial als auf die aktuellen Fähigkeiten gesehen haben.

Zur unmittelbaren Arbeitsumgebung zählen sicherlich Raum und Ausstattung. Noch entscheidender für die Zufriedenheit sind jedoch die unmittelbaren Kollegen und der Chef. Gerade in diesem Bereich liegen sowohl Chancen als auch Gefahren durch die veränderten Kommunikationsmöglichkeiten.

Ein angenehmer Nebeneffekt wäre zum Beispiel, wenn Freunde und Bekannte beeindruckt sind, weil man in diesem großartigen Unternehmen eine wichtige Position bekleidet. Rahmenbedingungen mit Einfluss auf die Zufriedenheit sind beispielsweise Flexibilität der Arbeitszeit und des Arbeitsortes. Darauf gehen wir in späteren Artikeln ausführlich ein. Aber auch der Anfahrtsweg, die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Parkplatzsituation spielen eine Rolle

Wir können – angelehnt an Herzbergs Zwei-Faktoren-Modell der Motivation – die oben genannten Aspekte in zwei Kategorien stecken. Die Arbeit an sich und die unmittelbare Arbeitsumgebung sind Aspekte, für die es sich aufzustehen lohnt, auf die man sich freuen kann. So kann es sein, dass man sich zwar nach einem schönen Urlaub erst einmal wieder aufraffen muss, aber doch auch Lust hat, die Kollegen wiederzusehen und sich darauf freut, sein Projekt wieder voranzutreiben.

Unwahrscheinlicher ist, dass jemand sagt: „Was freue ich mich auf den kurzen Arbeitsweg und die freundlichen Farben im Büro!“ Solche Aspekte würde man nur nennen, wenn sie fehlen würden, dann aber abgeschreckt: „Oh nein, jetzt wieder täglich diese elend lange Strecke – und dann kein Tageslicht.“ Bei Herzberg heißen diese Dinge ‚Hygiene-Faktoren’. Sie dienen nur dazu, dass man nicht unzufrieden ist, erhöhen aber nicht aktiv die Motivation.

Ein Mitarbeiter, der seine unmittelbare Arbeitsumgebung liebt, ist auch durch höhere Gehälter, bessere Sozialleistungen oder kürzere Anfahrtswege nicht leicht durch den Wettbewerb verführbar, seine Stelle zu wechseln. Wir erleben es bei Kunden durchaus, dass Mitarbeiter zurückkehren, die durch großartige Versprechungen weggelockt wurden. In der Realität konnten die Versprechungen nicht eingehalten werden und dann stimmten nicht einmal das Team und die Prozesse.

Individuelle Gewichtung der Aspekte

Was Menschen an ihrem Arbeitsplatz am wichtigsten ist, lässt sich nicht verallgemeinern. Statistiken geben nur Auskunft über die Mehrheit. Es kann sein, dass gerade Ihr kreativster Mitarbeiter zur Minderheit gehört. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse und Motive. Ideal wäre es deshalb, wenn das Unternehmen diesen unterschiedlichen Bedürfnissen entgegenkommen könnte, ohne dass die Zusammenarbeit im Team darunter leidet. Dieses Ideal lässt sich durch veränderte technische Möglichkeiten heute weitgehender realisieren als im letzten Jahrhundert.

Insbesondere das Internet in Kombination mit den mobilen Endgeräten und den Möglichkeiten der ‚Cloud’ hat sehr viele Arbeitnehmer und Freiberufler unabhängiger von ihrem Arbeitsplatz im Sinne eines festgelegten Ortes und festgelegter Zeiten gemacht. Dazu später einmal mehr. Hier möchten wir nur festhalten: Die veränderten technischen Voraussetzungen ermöglichen Teamarbeit auch bei starker Individualisierung. Eltern können bei ihrem kranken Kind zu Hause sein und trotzdem mit wenig Aufwand über Videokonferenz an einer Besprechung teilnehmen oder mit einem Kollegen in der ‚Cloud’ gleichzeitig ein Dokument bearbeiten. Man hat zugleich von überall auf alles Zugriff und kann samt Körpersprache miteinander kommunizieren. Komplett sollte ein Team möglichst nicht auf persönliche Treffen und Unternehmungen verzichten, weil die gruppendynamischen Prozesse und spontanen Ideen, die dabei entstehen, nicht leicht ersetzbar sind. Aber wenn das Team über Länder und Kontinente verteilt ist, wird man das auf ein Minimum beschränken müssen.

Welches sind Ihre Zufriedenheits-Faktoren?

 

Lydia Girndt

 

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