Flexibilisierung: Auf der Suche nach dem richtigen Arbeitszeitmodell

In der Flexibilisierung stecken Chancen und Risiken, das ist hoffentlich klar geworden. Aber was kann man nun machen, wenn man die Chancen nutzen und mehr Individualität zulassen will? In diesem Artikel betrachten wir die Arbeitszeit, im folgenden den Arbeitsort.

Sind Mitarbeiter mit der Arbeitszeit unzufrieden, so muss generell entschieden werden, in welchem Zeithorizont die Flexibilisierung erfolgen soll. Geht es um die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit oder um eine Jahresarbeitszeitregelung? Wird eine Anpassung der täglichen Arbeitszeit gewünscht, so kann mit Teilzeitarbeit, Abendschichten oder modularer Arbeitszeit geholfen werden. Richtet sich der Wunsch auf eine andere Verteilung in der Woche, so kann die vereinbarte Zeit auf weniger Tage verteilt oder ein roulierendes Modell gewählt werden. Hier bietet sich auch das JobSharing an. Ist auch dieser Rahmen noch zu eng, kommt eine individuell vereinbarte Jahresarbeitszeit in Frage, die nach den besonderen Bedürfnissen beider Seiten gestaltet wird.

Worum geht es eigentlich?

Dabei muss auch geklärt werden, welcher Zweck mit dem Wunsch verfolgt wird und ob und wie der Arbeitgeber dazu beitragen kann, diesen Zweck zu erfüllen. Wenn es um die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit geht, heißt das, präzise zu erfassen, woran die Arbeitszeit angepasst werden soll (z. B. schon vorhandene Kinderbetreuung in Schule oder Kindergarten) und wie dauerhaft bzw. verlässlich diese Voraussetzung ist. Natürlich kann nicht verlangt werden, dass die Arbeitszeit jeder Veränderung folgen muss, aber vielleicht kann sie so flexibilisiert werden, dass vom Arbeitnehmer kleinere Anpassungen selbständig vorgenommen werden können. Da dies von individuellen Anforderungen auf beiden Seiten abhängt, gibt es keine fertigen Modelle dafür.
Vielleicht reicht es auch aus, generell die Arbeitszeit auf Gleitzeit umzustellen oder gar eine Vertrauensarbeitszeit einzuführen. Möglicherweise erledigt sich das Arbeitszeitthema, wenn man über eine Flexibilisierung des Arbeitsortes spricht. Gerade, wenn das in Ihrem Unternehmen noch nicht verbreitet ist, kommen die Mitarbeiter eventuell nicht selbst darauf, nach Home Office-Zeiten zu fragen.

Was ist mit der Jahresarbeitszeit und besonderen Urlaubswünschen? Vielleicht möchte der Arbeitnehmer seine persönliche Arbeitszeit gar nicht ändern, sondern braucht nur für eine bestimmte Zeit im Jahr mehr Flexibilität. Auch hier kann ihm der Arbeitgeber entgegenkommen, indem er über ein Arbeitszeitkonto die Möglichkeit bietet, vor- bzw. nachzuarbeiten, so dass im ganzen Jahr die durchschnittliche Arbeitszeit wieder stimmt.

In dem Fall, dass ein Arbeitnehmer sich für eine längere Zeit um die Pflege eines Angehörigen kümmern muss, lassen sich ebenfalls Regelungen finden, die dem Arbeitnehmer den Arbeitsplatz und dem Unternehmen die Fachkraft erhalten. Schon das Pflegegesetz sieht eine länger dauernde Freistellung mit einer Reduzierung auf Teilzeittätigkeit vor. Aber der Arbeitgeber ist natürlich frei darin, Regelungen zu vereinbaren, die für die Arbeitnehmer günstiger sind. Es besteht darauf kein Rechtsanspruch, aber er kann durch eine verbindliche Zusage einen Anspruch generieren. Dabei muss nur die sozialversicherungsrechtliche Seite im Auge behalten werden, denn sobald die Entgeltzahlung eingestellt wird, enden die diesbezüglichen, wenn auch mit einigen Wochen Zeitversatz.

Auch das Elternzeitgesetz sieht vor, dass ein Arbeitnehmer, der in Elternzeit geht, teilzeitig weiter arbeiten kann, um den Anschluss nicht zu verlieren. Wie beim Pflegegesetz ist dies aber nur ein Mindestrahmen und der Arbeitgeber ist frei, Vereinbarungen zu schließen, die den Arbeitnehmer besser stellen.

Letztlich sind also die Motive hinter den Veränderungswünschen zu ergründen, die Unternehmensinteressen im Blick zu behalten und die relevanten Arbeitsgesetze (u. a. Pflegezeitgesetz, Teilzeit- und Befristungsgesetz, etc.) einzuhalten. Wie bei anderen kreativen Prozessen sollten Sie zuerst überlegen, was Sie wollen und dann überprüfen, wie das geht – statt sich zuerst sämtliche Begrenzungen vor Augen zu führen. Mindestens für die rechtlichen Aspekte geht es nicht ohne Experten.

Mit welchen Modellen haben Sie gute Erfahrungen?

 

Lydia Girndt

 

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