Attraktivität für Arbeitnehmer mit Anhang (2)

Nachdem wir uns in der letzten Woche mit familienfreundlicher Arbeitsorganisation beschäftigt haben, soll es diesmal um weitere flankierende ‚Familienservicemaßnahmen’ gehen. Hauptproblem der Mitarbeiter mit Kindern ist die Kinderbetreuung. Standort, Öffnungszeiten und Kapazitäten der Kindergärten sind häufig ungünstig. Private Alternativen sind aufgrund finanzieller Hürden häufig nicht möglich. Am einfachsten wäre es für Beschäftigte mit kleinen Kindern, sie gleich nebenan im betriebseigenen Kindergarten abzugeben. Dies funktioniert aber nur in den wenigsten Fällen. Die Einrichtung eines eigenen Kindergartens ist sowohl administrativ wie finanziell sehr aufwendig und in der Regel nur großen Unternehmen vorbehalten.

Kooperation in der Kinderbetreuung

Alternativ bieten sich Kooperationen in der Kinderbetreuung an. So können sich mehrere Unternehmen zusammentun und eine Kinderbetreuungsstätte gründen, bei der sich jeder Partner ein Belegungskontingent sichert. Sie müssen dies nicht alleine machen, denn das würde einen hohen zeitlichen Personaleinsatz binden. Stattdessen können sie beispielsweise auf die Hilfe eines Familiendienstleistungsunternehmens zurückgreifen, das über das erforderliche fachliche Know-How verfügt. Alternativ besteht die Möglichkeit, mit öffentlichen oder freien Trägern von Kindertageseinrichtungen zu kooperieren, die dann eine neue Gruppe oder sogar Einrichtung eröffnen. Diese Belegplätze können in Krippen, Kindergärten oder Horten gebucht werden. Sollte der Bedarf variieren, können etwaig zu viel reservierte Plätze in Abstimmung mit dem Träger extern vergeben werden. Auch bietet sich an, die Bildung einer Elterninitiative bzw. deren Unterstützung in Erwägung zu ziehen. Die Elterninitiative könnte dann als Träger einer Einrichtung aktiv werden.

Für viele Beschäftigte mit Kindern stellt die Ferienzeit eine besondere Herausforderung dar. In Deutschland summiert sich die unterrichtsfreie Zeit immerhin auf zwölf Wochen. Um ihren Mitarbeitern diese Zeit zu erleichtern, können Unternehmen Ferienbetreuungen zum Beispiel in Kooperation mit Sportvereinen, der Kommune oder sozialen Einrichtungen und Dienstleistern anbieten.

Unterstützung bei der Kinderbetreuung in Notsituationen und bei der Pflege

Im Falle eines unerwarteten Betreuungsausfalls benötigt der Mitarbeiter flexible Hilfsangebote. Dies könnte natürlich das bereits beschriebene Eltern-Kind-Arbeitszimmer sein, im optimalen Fall mit Hausaufgabenbetreuung. Eine andere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit Tagesmütterverbänden oder Familienservicedienstleistern, um Notfallbetreuungsdienste anbieten zu können.

Ähnlich sieht die Situation bei Pflegenotfällen aus. Vorhersehbare Pflegebedarfe lassen sich frühzeitig planen und sind in der Regel organisierbar. Bei plötzlichem Auftreten einer Notsituation eines Angehörigen wissen die Beschäftigten allerdings häufig nicht, wie sie den zeitlichen und organisatorischen Pflegeaufwand leisten sollen. Gut aufgestellte Unternehmen können eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Kurzzeitpflegeeinrichtungen oder Altenheimen in Erwägung ziehen. Dies wird jedoch nicht jedem Betrieb möglich sein, da diese Maßnahme eine längerfristige finanzielle Belastung darstellt. Grundsätzlich ist dem einzelnen betroffenen Mitarbeiter auch schon sehr geholfen, wenn das Unternehmen Informationen rund um das Thema Pflege zur Verfügung stellt. So sind insbesondere rechtliche Informationen, aber auch Adressen von Dienstleistern und Beratungsstellen in Notsituationen hilfreich.

Darüber hinaus gibt es weitere zukunftsweisende Wege. Ist absehbar, dass ein Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum ausfällt, weil er einen Angehörigen pflegen will, kann ihm das Unternehmen anbieten, für einen gewissen Zeitraum, z.B. zwei Jahre, seinen Arbeitsplatz freizuhalten und in dieser Zeit auch die Abgaben für die Sozialversicherung zu übernehmen. Wer zur Familie gehört und damit als Angehöriger definiert wird, bestimmt dabei der Mitarbeiter – das können nicht eheliche Kinder ebenso wie nahestehende Freunde sein.

Ähnliche zukunftsweisende Maßnahmen gelten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für junge Eltern. Im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte garantieren Unternehmen ihren Mitarbeitern, dass sie nach Beendigung ihres Erziehungsurlaubes auf ihre vorherige Position im Betrieb zurückkehren können. Alleinerziehenden wird ein Krippen- oder Kindergartenplatz zugesichert, wenn nicht im eigenen Betriebskindergarten, dann in einer externen Betreuungsstelle. Und für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren erhalten Eltern eine finanzielle Unterstützung, die die monatlichen Betreuungskosten deckt.

Alltagshelfer

Zeitnot ist für alle Mitarbeiter, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen, ein ständiger Begleiter und eine tägliche Herausforderung bei der Erledigung alltäglicher Routineaufgaben. Einkäufe, Arztrezepte, Reinigung, Kinder, die transportiert werden müssen oder das Auto, das zum TÜV muss. Alles Dinge, die neben der Arbeit erledigt werden müssen. Zur Entlastung der Mitarbeiter kann das Unternehmen ‚Alltagshelfer’ einsetzen, die den Mitarbeitern diese haushaltsnahen Aufgaben abnehmen. Möglicherweise gewinnt der Betrieb dafür ehemalige Mitarbeiter, die bereits im Ruhestand sind. Damit punktet es im doppelten Sinne: Es entlastet den Mitarbeiter und bietet dem Pensionär einen finanziellen Zuverdienst und – vielleicht viel wichtiger – sozialen Kontakt und Gemeinschaftsgefühl für beide Seiten sowie für den ehemaligen Mitarbeiter eine angenehme Aufgabe.

Kinder in der Betriebskantine

Die ‚Alltagshelfer können vieles leisten und dem Mitarbeiter Routinearbeiten im privaten Umfeld abnehmen. Beschäftigte mit Kindern stehen aber weiterhin vor großen Herausforderungen, wenn es um die Versorgung der Kleinen mit einer warmen Mahlzeit, idealerweise zur Mittagszeit, geht. Steht keine Ganztagsschule oder Kindergarten mit langen Öffnungszeiten zur Verfügung, bedeutet das: Planen, Einkaufen, Kochen. All dies kostet Zeit und führt zu wiederkehrendem Stress. Verfügt ein Unternehmen über eine Betriebskantine oder kann eine solche nutzen, besteht die Möglichkeit, die Kinder an einem gemeinsamen Essen in der Kantine teilhaben zu lassen. Je nach Betriebskantinenmanagement bieten sich frühzeitige Planungsgrundlagen wie die wöchentliche Versendung des Speiseplans und die frühzeitige Aufgabe der Bestellung an. Alternativ, und je nach Bedarf, kann das Unternehmen auch mit einem Catering Service zusammenarbeiten.
Kann ein Unternehmen eine solche Maßnahme anbieten, profitiert nicht nur der einzelne Mitarbeiter, sondern die gesamte Belegschaft, da das familiäre Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt wird und die Beschäftigten entspannter arbeiten können.

Welche Erfahrungen und Ideen haben Sie zum Thema Familienservice?

 

Lydia Girndt

 

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