Attraktivität für Arbeitnehmer mit Anhang (1)

@chef Bin im Eltern-Kind-Büro #familieundberuf

Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind eine Schlüsselstrategie, durch die Unternehmen in Zukunft hochqualifizierte Frauen und Männer mit Kindern bzw. mit Kinderwunsch für sich gewinnen und im Unternehmen halten können. Gleiches gilt für Mitarbeiter, die sich um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern wollen oder müssen.

Welche Bedürfnisse haben die Mitarbeiter? Welche Maßnahmen und Instrumente stehen den Unternehmen zur Verfügung? Wie sieht grundsätzlich die Arbeitswelt von morgen aus? Und wie lautet das eigentliche Ziel einer modernen Personalpolitik?

Änderung der Arbeitswelt

Obwohl wir eigentlich in der Wissensgesellschaft angekommen sind, arbeitet der überwiegende Teil der Wirtschaftsteilnehmer in Strukturen aus dem Zeitalter der Industriegesellschaft. Führungskräfte wie Mitarbeiter erleben die Arbeit häufig als zu lange, ineffizient und unangenehm. Doch wie ist dem Dilemma ‚der Druck steigt, die Motivation sinkt’ am ehesten beizukommen? Was muss geändert werden?

Die Zukunft der Arbeit besteht eben nicht darin, mehr zu arbeiten, sondern freier und flexibler. Das Büro, in der etwa die Hälfte aller Beschäftigten tätig ist, ist als Zentrum der Erledigung der Arbeit nicht mehr für alle Seiten zufriedenstellend. Wie im fünften Kapitel „Mit freundlichen Grüßen aus dem Marktplatzcafé“ dargestellt, wird es immer unwichtiger, wo und zu welcher Uhrzeit gearbeitet wird. Der Alltag wird damit vor allem für Mitarbeiter mit privaten Betreuungsaufgaben leichter.

Arbeitszeit – Familienzeit – Freizeit – Lebenszeit, ein ausgewogenes Verhältnis stellt für jeden eine Herausforderung dar. Leistung im Beruf und Verantwortung in der Familie wollen unter einen Hut gebracht werden. Gerade die jungen Fachkräfte fordern mehr Flexibilität, im Management-Nachwuchs steigt der Wunsch nach einer ausgewogenen Lebensbalance. Den Begriff ‚Work-Life-Balance’ vermeiden wir, weil wir die Arbeit nicht als einen Teil außerhalb des Lebens betrachten, sondern als einen Lebensbereich neben Familie, Kultur, Ehrenamt, etc., die in Balance gebracht werden müssen. Familienbewusste Arbeitszeit- und Arbeitsplatzorganisation spielen eine wichtige Rolle für die zukunftsorientierte Personalpolitik der Unternehmen. Wie können Arbeitgeber und Beschäftigte mit Flexibilität und Familienfreundlichkeit gewinnen? Welche Rahmenbedingungen sind in der Betreuung notwendig und leistbar?

Um diese Fragen zu beantworten, betrachten wir hier heute und in den kommenden beiden Wochen Möglichkeiten in den Bereichen

  • der Arbeitsorganisation,
  • des Familienservices
  • sowie der Kommunikationsstrukturen in Unternehmen.

Die Arbeitsorganisation überdenken

Die gewohnte Anwesenheitspflicht macht eine erfolgreiche Verbindung von Berufstätigkeit und Familie fast unmöglich. Teure Tagesmütter, ein durchgängiges, latent schlechtes Gewissen oder auch die Angewohnheit, Mitarbeiter, die aufgrund von Familienverpflichtungen unter Zeitdruck stehen, in Hinblick auf Karriereorientierung und Flexibilität nicht ernst zu nehmen, führen häufig zu frustrierten Karriereabbrüchen. Zumeist trifft es gut ausgebildete Frauen. Übrigens: Wir widerstehen hier der Versuchung, plötzlich von der geschlechtsneutral gemeinten Schreibweise „Mitarbeiter“ abzuweichen, obwohl das naheliegend wäre. Viele Mütter steigen auch heute noch wesentlich länger aus dem Berufsleben aus, als es eigentlich nötig wäre, wenn alle Seiten mit gutem Willen und Kreativität nach Möglichkeiten suchten. In der Regel sind beide Seiten, Mitarbeiter und Unternehmen, verlustreich betroffen.

Hilfreich wäre für alle Beteiligten eine Verlagerung des Arbeitsortes in die private Umgebung des Mitarbeiters. Dies kann, je nach Inhalt und Struktur der Arbeitsaufgabe, nur zu einem geringen Teil oder auch schwerpunktmäßig geschehen.

Mobiles Arbeiten

Im Sommer haben wir hier die Möglichkeiten und Risiken moderner Arbeitszeitgestaltung und Arbeitsortgestaltung dargestellt. Aus der Perspektive der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bekommen die Möglichkeiten ein besonderes Gewicht. Es lohnt sich, gemeinsam mit den Mitarbeitern kreativ nach Lösungen zu suchen. Klicken Sie dafür gerne noch einmal zurück.

Betriebsinterne Maßnahmen seitens der Unternehmen

Mobiles Arbeiten ist also eine Möglichkeit und vielleicht sogar die für dieses Thema entscheidende. Welche Möglichkeiten hat das Unternehmen darüber hinaus, seinen Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgegenzukommen? Welche Maßnahmen der familienorientierten Personalpolitik bieten sich konkret an? Das sind zum Beispiel Rückkehrmaßnahmen, Kooperationen in der Kinderbetreuung, Zuschuss zur Pflege.

Verlässliche Teamarbeit: Im Alltag stehen häufig Termine an, deren Erledigung parallel zur Arbeitszeit anfällt. Das gilt nicht nur für Beschäftigte mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen, sondern generell für alle Mitarbeiter. Um Rücksicht auf die privaten Belange zu nehmen, hilft eine abgestimmte und verlässliche Teamarbeit. In Absprache mit den Kollegen, können Besprechungen beispielsweise während gesicherter Betreuungszeiten stattfinden. Voraussetzung ist allerdings eine praktische Aufgabenverteilung und eine funktionierende Kommunikation. Apropos Besprechungen. Die gehören grundsätzlich regelmäßig auf den Prüfstand: Sind sie in dieser Frequenz und Dauer notwendig? Sind sie zielführend gestaltet? Kann man einige ganz streichen?

Früher beruflicher Wiedereinstieg: Je früher ein Mitarbeiter nach familienbedingten Auszeiten in den Beruf zurückkehrt, desto vorteilhafter ist die Situation für beide Seiten. Damit dieses Vorhaben effektiv umgesetzt werden kann, benötigt der Beschäftigte entsprechende Rahmenbedingungen. Entscheidend sind vor allem der Kontakt zum Unternehmen sowie begleitende Maßnahmen, um die Qualifikation zu erhalten.

Idealerweise planen Unternehmen und Beschäftigte bereits im Vorfeld mögliche Maßnahmen. Bei plötzlichen, längeren Ausfällen durch Krankheit ist das natürlich nicht möglich. Prinzipiell gelten hier in Hinsicht auf Wiedereingliederungsmaßnahmen aber die gleichen Kriterien wie bei familienbedingten Auszeiten.

Regelmäßige Informationsübermittlungen, Einladungen zu Betriebsversammlungen, oder auch, je nach Dauer der beruflichen Unterbrechung, die begleitende Teilnahme an Dienst- oder Projektbesprechungen erhalten den Kontakt aufrecht. Weiterbildungsmaßnahmen wie Computerkurse können eventuell auch als E-Learning von zu Hause aus angeboten werden. Besonders hilfreich ist es auch, dem pausierenden oder zurückkehrenden Mitarbeiter einen Kollegen oder eine Kollegin als Mentor/in zur Seite zu stellen. Dieser persönliche Ansprechpartner klärt über Veränderungen auf oder steht für individuelle Fragen zur Verfügung.

Eltern-Kind-Arbeitszimmer: Grundsätzlich lässt sich verfügbare Arbeitszeit auch mit Kindern gut planen. In Not geraten Eltern immer nur dann, wenn die Kinderbetreuung kurzfristig ausfällt oder wenn das Kind krank wird. Steht für solche Fälle ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer zur Verfügung, entspannt sich die Situation für den Mitarbeiter häufig. Er oder (noch immer häufiger) sie kann das Kind, sofern es einigermaßen gesund ist, mit an den Arbeitsort nehmen und arbeiten, ohne dass andere Kollegen oder der Arbeitsablauf gestört werden. Das Kind kann dort schlafen oder in Ruhe seine Hausaufgaben machen. Einige Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeitern sogar eine Hausaufgabenbetreuung. Dies kann beispielsweise in Zusammenarbeit mit sozialen Vereinen, geringfügig Beschäftigten oder auch mit Hilfe ehemaliger Mitarbeiter umgesetzt werden.

 

Lydia Girndt

 

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