Arbeitszeit und -ort: Chancen der Flexibilisierung

Mit freundlichen Grüßen aus dem Marktplatzcafé

Stellen Sie sich vor, Sie führen Mitarbeitergespräche und bekommen tatsächlich zu hören, was die Mitarbeiter stört. Es könnte zum Beispiel beklagt werden, dass die Arbeitszeiten oder -wege ungünstig sind. Können Sie dann überhaupt etwas tun? Kann ein Unternehmen es sich leisten, auf individuelle Wünsche einzugehen?

Moment. Unter den beschriebenen Bedingungen des Bewerbermarktes müsste die Frage lauten: Kann ein Unternehmen es sich leisten, nicht auf die Arbeitszeitwünsche seiner Mitarbeiter einzugehen? Diese Situation trifft nun auf den glücklichen Umstand, dass die technischen Fortschritte uns eine viel höhere Flexibilität und Mobilität ermöglichen. In diesem Artikel lesen Sie zunächst über die Möglichkeiten, bevor wir in weiteren Artikeln neben den Chancen auch die Risiken ansprechen und welche Schritte überhaupt auf dem Weg zu höherer Flexibilität gegangen werden können.

Es werden nicht alle Wünsche erfüllt werden können, aber das Interesse des Arbeitgebers an der kontinuierlichen Auslastung ist mit den familiären Bedürfnissen der Arbeitnehmer abzustimmen. Allein die Bereitschaft, darüber zu diskutieren und sich auf Kompromisse einzulassen, ist ein positives Signal, das Arbeitnehmer erkennen und anerkennen. Arbeitnehmer, die nach flexiblen Arbeits- oder Pausenzeiten fragen, signalisieren damit ja nicht nur den Wunsch, ihre Vorstellungen umzusetzen. Sie wollen gerne weiter im Unternehmen arbeiten, wenn nur die Zeiten angepasst werden können, also ist diese Frage eher ein Gesprächsangebot.

Veränderte Bedingungen – neue Möglichkeiten

Insbesondere das Internet in Kombination mit den mobilen Endgeräten und den Möglichkeiten der ‚Cloud’ hat sehr viele Arbeitnehmer und Freiberufler unabhängiger von ihrem Arbeitsplatz im Sinne eines festgelegten Ortes und festgelegter Zeiten gemacht. Viele Aufgaben, für die man auf Daten zugreifen, Recherchen durchführen und telefonieren muss, lassen sich quasi von irgendwo erledigen. Wenn sich ein Termin verschiebt, kann ich mich ins Café setzen und ein halbes Stündchen arbeiten.

Unter einigen E-Mails oder (moderner) Postings könnte tatsächlich etwas wie „Mit freundlichen Grüßen aus dem Marktplatzcafé“ stehen. Einen solchen Gruß verkneift man sich allerdings, da es nicht ausreichend nach harter Arbeit klingt. Unsere Denkmuster und Einstellungen haben sich den neuen Möglichkeiten noch nicht angepasst.

Wer für seine Zufriedenheit gerne mehr Flexibilität hätte, kann das heute – Vertrauen vorausgesetzt – in vielen Fällen problemlos bekommen. Selbst ein Meeting können wir heute dank kostenloser oder preisgünstiger Videotelefonie inklusive Körpersprache abhalten, ohne persönlich vor Ort sein zu müssen. Die ‚Cloud’ ermöglicht, dass von gemeinsam bearbeiteten Dokumenten immer das aktuelle für alle Beteiligten zur Verfügung steht, egal, wo sie sich gerade aufhalten. Einzige Voraussetzung: Anbindung ans Netz.

Die veränderten technischen Voraussetzungen ermöglichen also Teamarbeit auch bei starker Individualisierung. Die Familie muss nicht aus ihrem bisherigen Umfeld herausgerissen werden, wenn der neue Arbeitsplatz weiter weg liegt. Das Home Office lässt sich komplett nach eigenem Geschmack einrichten und auch das Business Dress kann im Schrank bleiben.
Wenn die Leistung trotzdem – oder gerade erst dann – stimmt, profitieren alle. Angestellte entscheiden mit, wann und wo sie arbeiten. Unternehmen fokussieren auf die Arbeitsergebnisse statt die Arbeitszeit – Vertrauensarbeitszeit versus Präsenzkultur.

Welche Möglichkeiten nutzen Sie in Ihrem Unternehmen schon?

 

Lydia Girndt

 

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