Was ist Mobbing? (4)

In drei Artikeln haben wir behandelt, was Mobbing ist: Mobbing-Definition, Mobbing-Folgen, Mobbing-Urschen haben uns beschäftigt. Hier wollen wir nun noch eine weitere Antwort auf die Frage ‚Was ist Mobbing‘ geben: Mobbing ist etwas, was uns zum Handeln zwingt. Was lässt sich tun?

Mobbing – Was kann das Opfer tun?

Wer selbst Opfer von Mobbing wird, sollte nicht versuchen, die Angriffe ‚auszusitzen’ in der Hoffnung, über kurz oder lang würde der Täter die Lust verlieren. Mobbing verschwindet nicht von alleine. Auch ist es wenig hilfreich, besonders freundlich zu sein und sich besonders anzustrengen, um keinen Angriffspunkt zu bieten. Schnell wird interpretiert, dass das Mobbing-Opfer selbst Schuld ist, angegriffen zu werden, wenn es sich nicht wehrt. Das ist wohl ein „Opfer-Typ“.

Ähnlich wie beim Konflikt steht am Anfang die Analyse: Wer ist der Initiator, wer beteiligt sich, wer grenzt sich ab, was könnten Ursachen und Motive sein? Zu Anfang ist es häufig noch möglich, den Täter um ein offenes Gespräch unter vier Augen zu bitten. Je früher, desto besser. Jede einzelne kleine Verletzung erschwert das Gespräch und den Versuch, auf einer sachlichen und konstruktiven Ebene miteinander zu sprechen. Ist ein lange schwelender Konflikt vorausgegangen, so ist das wahrscheinlich nicht mehr zielführend. Konfrontieren Sie den Angreifer. Warum haben Sie jetzt das kleine fensterlose Büro oder keine Einladung zur Weihnachtsfeier? Es geht in dem Gespräch um Klarstellung, dass Sie dieses Verhalten nicht akzeptieren werden. Sollten die Auslöser auf den Tisch kommen, so können Sie einen Konfliktklärungstermin vereinbaren, um zu konstruktiven Lösungen zu kommen. In diesem Fall sollten Sie auf den neutralen Gesprächsführer nicht verzichten.

Dieser Weg ist allerdings oft nicht mehr offen. Mobbing-Opfer sollten dann nicht versuchen, die Angelegenheit mit sich selbst auszumachen. Freunde, Partner und Familie können moralisch den Rücken stärken. Im Beruflichen Umfeld können Sie (nicht mobbende) Vorgesetzte, die Personalabteilung oder, falls vorhanden, Betriebs- bzw. Personalrat einschalten. Unbeteiligte Kollegen können Zeugen des Geschehens werden. Auch externe, professionelle Hilfe kann besser unterstützen, je früher sie eingeschaltet wird. Eine erste Anlaufstelle können Mobbing-Beratungsstellen sein. In jedem Fall lohnt es sich, die Fakten in einem „Mobbing-Tagebuch“ festzuhalten: Wann ist was konkret passiert? Darauf lässt sich in internen Gesprächen, aber notfalls auch in einem späteren Prozess zurückgreifen. Die große Schwierigkeit liegt oft darin, dass sich Mobbing so schwer nachweisen lässt.

Mobbing – Was können Kollegen tun?

Kollegen können zunächst einmal die Augen aufmachen, um zu sehen, was da läuft. Sie sind manchmal hin und her gerissen, weil sie die Arbeitsweise, das Verhalten oder den Geruch des gemobbten Kollegen genauso nervtötend finden wie die ‚Mobber’. Hier lohnt es sich, innerlich einmal einen Schritt zurückzutreten und Auslöser und Reaktionen gesondert zu betrachten. Entsprechend differenziert kann man sich den Tätern dann entgegenstellen, gerade dann, wenn man ein gutes Verhältnis zu ihnen hat: „Ja, ich finde den genauso seltsam wie du, aber deinen Umgang damit finde ich nicht in Ordnung und werde das nicht unterstützen.“ Auch dem Opfer können Sie differenziert den Rücken stärken: „Das irritiert mich an dir, aber deshalb werde ich nicht dieses Verhalten der Kollegen unterstützen. An dieser Hinsicht hast du meine Rückenstärkung.“ Sie müssen also keine (Pseudo-)Freundschaft vortäuschen. Mit Ihrer klaren Stellungnahme durchbrechen Sie die Mobbing-Spielregeln und dadurch möglicherweise sogar das Mobbing selbst und erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer fairen Lösung. Sehr hilfreich kann es auch sein, wenn sich Kollegen aktiv als Begleiter auf dem Weg zum Vorgesetzten oder als Zeugen zur Verfügung stellen.

Positiver Nebeneffekt kann dabei sein, dass der Respekt durch die Kollegen und die Vorgesetzten eher steigt als sinkt, vor allem, wenn Sie es durchhalten, Person und Verhalten zu trennen. Dafür gibt es natürlich keine Garantie. Der Selbstachtung dürfte es aber in jedem Fall nützen, wenn Sie integer bleiben und sich für eine faire Kultur einsetzen.

Mobbing – Was kann die Führungskraft tun?

Die Führungskraft muss sogar etwas tun, nämlich eingreifen. Wenn eindeutige Mobbinghandlungen vorliegen, gilt es, mit angemessenen Mitteln zu reagieren. Hier fängt die Schwammigkeit zugegebenermaßen gleich doppelt an. Denn häufig ist weder die Situation eindeutig noch ist klar, was angemessen ist. Ideal ist es, wenn sich der zugrunde liegende Konflikt aufdecken und klären lässt. Dann dürfte eine deutliche Warnung reichen. In jedem Fall muss klar werden, dass die Mobbinghandlungen nicht akzeptiert werden und es spätestens beim nächsten Vorfall zu Konsequenzen kommt, die in der Personalakte landen. Wenn allerdings einfach Wort gegen Wort steht und die Führungskraft nicht weiß, was wirklich vorgefallen ist, müssen gegebenenfalls Kollegen befragt werden. Was genau getan werden kann, wenn keine Klarheit herrscht, hängt sehr von der Art und Intensität der Mobbinghandlungen, aber auch von der konkreten Arbeitssituation ab. Ist es für die Führungskräft möglich, das Verhalten zukünftig genauer im Blick zu haben und selbst zu überprüfen? Kann sie die Möglichkeiten zum Mobbing einschränken?

Klar ist nur, dass die Führungskraft sich so viel Klarheit wie möglich verschaffen muss und Konsequenzen mindestens aufzeigen, gegebenenfalls auch umsetzen muss. Wenn es ein Mobbing-Opfer gibt, muss die Führungskraft es schützen. Gibt es mit der Leistung oder dem Verhalten des Mobbing-Opfers Probleme, muss die Führungskraft diese ebenfalls angehen, aber das sind zwei unterschiedliche Themen.

Zusammengefasst

Mobbing gibt es, weil es zugelassen wird. Es schadet dem Unternehmen und den Opfern und ist deshalb, unabhängig vom Auslöser, nicht akzeptabel. Wer Mobbing erkennt, sollte so früh wie möglich eingreifen und sich klar vor das Opfer und gegen die Taten stellen. Möglicherweise sollten auch die Auslöser behoben werden, aber es darf dabei nicht der Eindruck entstehen, also wurde ‚zu Recht‘ gemobbt. Präventiv wirkt unter anderem eine gute Konfliktkultur.

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Lydia Girndt

 

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