Konfliktgespräche vorbereiten (3)

Eine weitere Hilfe für die Vorbereitung ist es, sich nicht nur die Verhaltensweisen der Einzelnen klar zu machen, sondern auch ihre jeweiligen Rollen im Miteinander oder Gegeneinander. Wenn der Gesprächsführer die nötigen Informationen hat, kann er sich auf die konkrete Dynamik einstellen. Ansonsten gilt auch hier, dass es sich lohnt, über mögliche Dynamiken und den Umgang damit vorher nachzudenken.

Dynamisches Gegeneinander: Dramadreieck

DramadreieckDas sogenannte Dramadreieck ist ein Modell für typische Konfliktrollen. Es trifft bei weitem nicht immer zu, aber wer es im Hinterkopf hat, kann es erkennen, wenn es zutrifft. Im Dramadreieck stehen drei Charaktere: der ‚Verfolger’, das ‚Opfer’ und der ‚Retter. Möchte jemand seinen Konfliktpartner zur Rechenschaft ziehen oder gar abstrafen? Weiß er genau, was er braucht und weiß er seine Lösung mit Härte durchzusetzen? Dann befindet er sich in der Rolle des Verfolgers, in der er das Opfer aktiv angreift.

Das Opfer dagegen ist die Person, der etwas vorgeworfen wird. Dabei ist die Opferrolle in diesem Modell keinesfalls passiv gemeint- im Gegenteil kann sie die mächtigste Position einnehmen. Denn sie kann Verantwortung für die Folgen der eigenen Handlung (oder auch dafür, nichts getan zu haben) an die anderen abgeben. Menschen, die die Rolle des Opfers einnehmen, provozieren bei ihrem Gegenüber Verhaltensweisen, die denen des Verfolgers entspricht – und umgekehrt. Noch häufiger aber ‚drängen’ die Opfer Menschen in die Haltung des Retters.

An dieser Stelle ist besondere Vorsicht für den Moderator geboten. Wenn er sich vom ‚Opfer’ in die Rolle des ‚Retters’ bringen lässt, rutscht  er in diesem Moment selbst in das Zentrum des Geschehens und wird Teil des Konflikts. Der Retter übernimmt in seiner Rolle die Verantwortung für den Konflikt und auch für dessen Lösung. Es besteht die Gefahr, dass der Retter selbst zum Verfolger wird, indem er sich vor das Opfer stellt und den ursprünglichen ‚Verfolger’ angreift. Das ursprüngliche Konfliktthema ist dann vollkommen aus dem Fokus der Aufmerksamkeit gerutscht – eine Lösung wird es hier so schnell nicht geben.

In der Praxis erleben wir aber durchaus Fälle, in denen sich zum Beispiel zwei „Täter“ ohne Retter gegenüber stehen und sich gegenseitig die gleichen verdorbenen Motive unterstellen und vorwerfen.

Was ist nun, wenn einem die nötigen Informationen über Verhaltensweisen und Dynamiken fehlen? Dann ist ein wenig Phantasie gefragt: Welche Fälle könnten eintreten und wie will ich dann steuern? Je weniger der Gesprächsführer vorab weiß, desto mehr Szenarien muss er im Kopf durchspielen.

Alles zusammen

Wir haben drei Artikel für die Vorbereitung eines Konfliktgesprächs verwendet. Das ist das Thema wert. Natürlich lässt es sich auch ganz knapp sagen: Die Vorbereitung dient dazu, sich optimal auf das Gespräch einzustellen. Dazu gehören mindestens Konfliktanalyse, Zielformulierung, Ablaufplanung, geistige Vorwegnahme der Einleitung und wichtiger Steuerungsfragen und mentale Vorbereitung auf schwierige Szenarien. Die Vorbereitung wird häufig unterschätzt. Es lohnt sich, sich dafür Zeit zu nehmen.

 

Lydia Girndt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

css.php