Entwicklungsquadrate – Konfliktpotenzial Unterschiedlichkeit (4)

Entwicklungsquadrate sind ein extrem flexibles Instrument, mit dem sich beliebige spannungsreiche Pole darstellen lassen. Beim Riemann-Thomann-Modell und bei den Präferenzprofilen sind die Pole der Dimensionen vorgegeben, hier nicht. Sie können jede Eigenschaft nehmen, die am Kollegen nervt. Wir haben Entwicklungsquadrate beim Thema Führung am Beispiel von Mut und Vorsicht erwähnt. Sie eignen sich wunderbar, um gewisse ‚allergische Reaktionen’ zwischen Kollegen zu analysieren.

Kollegen-Allergie

Eine Allergie ist eine Überreaktion auf etwas eigentlich Harmloses. So wie manche von uns allergisch auf Haselnüsse, Erdbeeren oder Milch reagieren, so gibt es auch in unserem Umfeld Menschen, auf die wir ‚allergisch’ sind. Manchmal reicht ein Satz von ihnen und wir sind verärgert, eine Geste und wir spüren, wie wir wütend werden. Wir fragen uns, wie überhaupt ein Mensch fähig sein kann, mit ‚dem da’ zusammenzuarbeiten. Doch dieser Mensch hat Freunde, gute Kollegen, vielleicht sogar einen Ehepartner. Wir sollten in Betracht ziehen, dass das Problem vielleicht auch ein wenig bei uns liegt.

Grundsätzlicher Gedanke des Entwicklungsquadrates ist es, dass jede gute Eigenschaft, die wir haben, zu einer Schwäche wird, wenn sie zu stark ausgeprägt ist. Ordnungssinn wird zu Pedanterie, regelmäßiger Sport zum Fitnesswahn. Zu viel des Guten ist eben nicht mehr gut. Man braucht auch den positiven Gegenpol. Im Entwicklungsquadrat stehen oben die beiden positiven Pole und darunter die jeweiligen Übertreibungen. In dieses ‚Zuviel des Guten’ rutscht man, wenn man den Gegenpol nicht lebt. Das ist dann die notwenige Entwicklungsrichtung, die durch die diagonalen Pfeile angezeigt wird.

ergebnis-situation-quadrat

Die Menschen, auf die wir allergisch reagieren, haben sehr wahrscheinlich eine Eigenschaft stark ausgeprägt, deren Gegenteil bei uns ausgeprägt ist. In dem hier dargestellten Beispiel wirkt jemand, der situationsorientiert handelt, auf den stark Ergebnisorientieren schnell ziellos – auch wenn er nicht das Extrem lebt. Einmal mehr gilt: Der andere ist anders und das nervt. Außerdem stellt es unser Verhalten in Frage – wie unangenehm!

Über das Entwicklungsquadrat haben wir einen praktischen Zugang zur Beziehungsebene von Konflikten. Wenn man es gemeinsam mit den Konfliktparteien erarbeitet, entspannt sich die Lage oft merklich. Denn beiden Seiten wird Wertschätzung für die Stärke in ihrem Verhalten zuteil. Zugleich wird deutlich, dass in jedem Verhalten auch Risiken stecken. Da hier keine Dimensionen vorgegeben sind, lassen sich die konkreten Vorwürfe zur Bezeichnung der Pole nutzen.

Trotz aller eigener Begeisterung für dieses flexible Modell, müssen wir zugeben, dass erfahrungsgemäß nicht jeder damit etwas anfangen kann. Dann nutzen Sie eben ein anderes. Deshalb lohnt es sich, unterschiedliche Modelle mit ihren Möglichkeiten und Einschränkungen zu kennen.

Egal, welches Modell Sie nehmen, …

Menschen geraten unter anderem dadurch aneinander, dass sie in verschiedenster Hinsicht zu unterschiedlichen Polen neigen. Das gilt für Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen gleichermaßen. Die Andersartigkeit der anderen nervt. Das bewusst zu machen, ist der erste Schritt zu gegenseitiger Akzeptanz und einem entspannten Umgang. Auf Basis der Akzeptanz lassen sich meist Vereinbarungen finden, mit denen die verschiedenen Parteien gut leben können.

Welches ist Ihr Lieblingsmodell zur Veranschaulichung von Unterschieden?

 

Lydia Girndt

 

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