Kommunikations-Zustände: Hör mal, wer da spricht (2)

Muster verstehen und durchbrechen

Mit dem Modell der Transaktionsanalyse lassen sich viele Kommunikations- und Verhaltensmuster verstehen, mit denen sich Menschen in bestimmten Situationen oder gegenüber bestimmten Personen immer wieder selbst im Weg stehen. Basis dafür sind die im ersten Teil beschriebenen Ich-Zustände der Interaktions-Partner. Die entscheidenden Fragen können sein:

  • Aus welchem Ich-Zustand reagiere ich in dieser Situation / gegenüber dieser Person typischerweise?
  • Warum? Welches Verhalten, welche Gestik und Mimik oder sonstige Umstände sprechen bei mir diese Ebene an?
  • Welches wäre die angemessene bzw. zielführende Ebene?
  • Wie würde eine Reaktion auf der angemessenen Ebene konkret aussehen?

Sind diese Fragen beantwortet, kann die wirklich harte Arbeit, die Änderung des gewohnten Verhaltens, beginnen.

Die Ebene wechseln

Die passende Veränderung kann darin bestehen, künftig eine Komplementär-Transaktion anzustreben, weil der andere schon aus der angemessenen Ebene reagiert. Daran ist angenehm, dass der andere aufatmen wird und die Kommunikation zu fließen beginnt. Eine bislang typischerweise komplementäre, aber der Situation unangemessene Transaktion zu ändern, wird auf mehr Widerstand stoßen. Wenn jemand hartnäckig versucht uns zu manipulieren, indem er unsere Kommunikation durchkreuzt, ist es schwierig ebenso hartnäckig auf der angemessenen Ebene zu reagieren.

Zielführend ist im beruflichen Umfeld meist die Erwachsenen-Ebene. Für junge Führungskräfte gegenüber älteren Mitarbeitern und für Mitarbeiter gegenüber besonders autoritären Vorgesetzten ist sie besonders schwer einzuhalten und muss geübt werden.

Das Eltern-Ich ist manchmal hilfreich, um Risiken zu erkennen und die ethische Verantwortung einzuhalten. Die Gedanken, die aus diesem Zustand kommen, sind aber vom Erwachsenen-Ich zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. „Es muss so gemacht werden, weil es schon immer so gemacht wurde“, zählt nicht.

Um zu kreativen Problemlösungen und Innovationen zu kommen, brauchen wir die Ideen, die Neugierde und den Mut aus dem Kindheits-Ich-Zustand. Es gibt deshalb Phasen, in denen es sinnvoll ist, nicht nur dem Eltern-Ich, sondern auch dem Erwachsenen-Ich den Mund zu verbieten. Bei der Methode des Brainstormings darf sich das Kind in uns austoben. Kritik, Fragen nach der Umsetzbarkeit und andere störende Elemente sind während des Brainstormings tabu. Erst wenn diese Phase beendet ist, hat das Erwachsenen-Ich zu prüfen, was davon umsetzbar ist und was den aktualisierten ethischen Maßstäben entspricht.

Eine Warnung zum Schluss: Ungeeignet und nicht zielführend wäre es, dieses Modell für eine Analyse scheinbarer psychischer Störungen bei unliebsamen Chefs, Kollegen oder Mitarbeitern zu missbrauchen – auch wenn das eigene überhebliche Eltern-Ich dazu noch so viel Lust verspürt und schon mitleidig das weise Haupt schüttelt.

 

Lydia Girndt

 

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