Hürden spontaner Kommunikation

Menschen, die sich ein Büro teilen, kennen gut die alltägliche Entschlüsselungs-Herausforderung. Sätze wie „Jetzt hat der schon wieder …“ oder „Wo ist denn die Liste abgelegt“ werden quer durch den Raum geschickt. Der Empfänger, der gerade mit einem ganz anderen Zusammenhang beschäftigt war, kann häufig zunächst nur verwirrte Blicke zurücksenden. Wen in aller Welt meint der andere? Um welche Liste geht es?

Ein solcher Fall unklarer alltäglicher Kommunikation gehört zu den harmlosesten, weil sich das Nachfragen und Klären förmlich aufdrängt. Unangenehmer können die Folgen sein, wenn alle denken, über das Gleiche geredet zu haben und sich nachher ärgern, dass die anderen sich nicht an die Absprachen halten.

Unklare Kommunikation

Wenn wir spontan reden, ist eine der beiden hauptsächlichen Hürden für das Gelingen unserer Kommunikation, dass wir uns unklar ausdrücken.

Unsere Perspektive und Gedankenwelt halten wir für normal und selbstverständlich. In der spontanen Kommunikation machen wir uns selten bewusst, dass wir eventuell gerade
•    Begriffe anders benutzen als unser Gegenüber,
•    Begriffe benutzen, die unser Gegenüber nicht kennt,
•    Erfahrungen und Informationen voraussetzen, die der Gesprächspartner nicht hat,
•    uns gedanklich in anderen Zusammenhängen bewegen als der andere oder
•    über Dinge reden, mit denen sich der andere noch nicht beschäftigt hat.

Wir gehen also von falschen Voraussetzungen aus und drücken uns daher nur aus der eigenen Perspektive eindeutig aus. Wenn alles gut geht, merkt unser Gesprächspartner das und fragt nach. Häufig kommt es jedoch vor, dass er das Gesagte in seine eigene Begriffs-, Gedanken- und Erfahrungswelt einbaut und die Botschaft ebenfalls für eindeutig hält. Die Hürde des Sich-unklar-Ausdrückens führt vor allem zu Missverständnissen auf der Sachebene.

Unangemessene Kommunikation

Die unangemessene Kommunikation führt eher zu Unmut auf der Beziehungsebene. Unangemessen ist Kommunikation dann, wenn sie nicht zur Situation passt, wobei „Situation“ sich hier bezieht auf
•    Zeit und Ort,
•    das Rollenverhältnis der Gesprächspartner,
•    die Stimmungslage des anderen,
•    weitere Zuhörer und
•    andere Rahmenbedingungen.

Der Satz „Deine Ausdruckweise wirkt auf mich abgehoben“ kann in einem vertraulichen Gespräch unter Freunden ebenso angemessen sein wie nach einer Präsentation in einem Präsentationsseminar. Im Beisein von Kunden oder dem Chef des Gesprächspartners wird er eventuell als unpassend wahrgenommen. Gegenüber Kollegen auf gleicher Hierarchieebene sind, je nach Kultur und Beziehung, manche „lockeren Sprüche“ passend, die ein Mitarbeiter gar nicht lustig findet, wenn er sie von seinem Vorgesetzten zu hören bekommt – obwohl sie vielleicht genauso „locker“ und wohlwollend gemeint waren.

Es ist eben nicht selbstverständlich ist, dass das bei anderen ankommt, was wir gemeint haben. Wie lässt sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass spontane Kommunikation gelingt? Was meinen Sie? Mehr dazu von uns im 2. Teil.

 

Lydia Girndt

 

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