Feedback genießen

Anderen gibt man mit angemessenem Feedback eine Chance zur Verbesserung, haben wir am 4. Februar behauptet. Im Umkehrschluss ist es eine riesige Chance, wenn man Feedback bekommt. Viel zu selten bekommen wir direkt zu hören, wie wir wirken und was wir auslösen. Trotzdem gilt: Feedback entgegenzunehmen ist nicht immer einfach, insbesondere wenn dabei das Selbstbild infrage gestellt wird. Wenn Feedback gut gegeben wird, gibt es keinen Grund zur Verteidigung, denn das Feedback war kein Angriff. Die verbreitete Regel, dass sich derjenige, der Feedback bekommt, gar nicht dazu äußern sollte, ist der Situation allerdings nicht immer angemessen. Manchmal sind Erklärungen sinnvoll, gerade wenn es fachliche oder rechtliche Gründe gibt, sich weiterhin entsprechend zu verhalten.

Zunächst ist es aber die Aufgabe desjenigen, der Feedback bekommt, zuzuhören und gegebenenfalls nachzufragen, was genau der andere meint. Mit der Intention im Hinterkopf, dass Sie vom Feedbackgeber etwas lernen möchten, können Sie seine Wahrnehmung respektieren, auch wenn Sie vielleicht nicht alles annehmen, was er Ihnen entgegenbringt. Trotzdem ist jeder seiner Aspekte zumindest wert, sich kritisch damit auseinanderzusetzen um dann zu entscheiden, ob Sie etwas verändern wollen. Wenn sich der andere nicht äußert, ändert das nichts daran, wie Ihr Verhalten auf ihn wirkt. Anders ist nur, dass Sie es nicht erfahren und deshalb die Chance zur Veränderung nicht bekommen.

Nach dem Feedback ist für den Feedbacknehmer der geeignete Zeitpunkt, das gerade Gehörte noch einmal in seinen eigenen Worten zusammenzufassen. Etwaige Missverständnisse können hier geklärt werden. Hier können nun auch – ohne dass es als Rechtfertigung ausgelegt wird – Eigeneinschätzungen und Beweggründe erläutert werden.

Eine lebendige Feedback-Kultur im Unternehmen ermöglicht auch eine Gegenseitigkeit. Was Sie Ihrem Gesprächspartner sagen, kann er dann grundsätzlich auch Ihnen entgegenbringen. Für viele Vorgesetzte ist das auch heute noch unvorstellbar und wird als Respektlosigkeit ausgelegt. Sie bedenken dabei nicht, dass sie nur zu hören bekommen, was ihre Mitarbeiter ohnehin denken, aber in einer anderen Kultur nur untereinander äußern. Ein anderes Problem ist, dass das Feedback immer dürftiger ausfällt, je höher jemand in der Hierarchie steht. Möchte man in einer solchen Position trotzdem ehrlich den Spiegel vorgehalten bekommen, so können eine anonyme Befragung und ein externer Feedback-Geber das ausgleichen.

Für die Weiterentwicklung von Einzelpersonen und Teams bietet Feedback ausgezeichnete Chancen. Wann haben Sie Ihre Kollegen und Familienmitglieder das letzte Mal gefragt, woran Sie aus deren Sicht arbeiten sollten?

 

Lydia Girndt

 

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