Eindeutig mehrdeutig: Vier Seiten nach Schulz von Thun (2)

Im ersten Teil haben wir die Vier Seiten bei Sendern und Empfängern erläutert. Aber was können wir mit diesem Wissen im Arbeitsalltag anfangen? Das Modell lässt sich dazu nutzen, Missverständnisse möglichst zu vermeiden oder nach ihren Ursachen zu suchen

Missverständnisse in schwierigen Gesprächen meiden

Wenn wir anderen etwas „beibringen“ müssen, das für sie unangenehm sein könnte, wenn wir mit Menschen reden müssen, zu denen wir ein belastetes Verhältnis haben oder die auf bestimmte Themen erfahrungsgemäß empfindlich reagieren, so stehen wir vor „schwierigen Gesprächen“. Wie kann es gelingen, dass der Gesprächspartner nichts in den falschen Hals bzw. ins falsche Ohr kriegt? Insbesondere bei kritischen Feedback- oder Beurteilungsgesprächen besteht die Gefahr, statt Veränderungsbereitschaft Wut und Widerstand hervorzurufen.

Das Vier-Seiten-Modell kann dazu beitragen, schwierige Gespräche vorzubereiten, indem man sich folgende Fragen beantwortet:
• Wie hat der Gesprächspartner in ähnlichen Gesprächen bisher reagiert?
• Was befürchte ich, was der Gesprächspartner auf der jeweiligen Seite verstehen könnte?
• Was möchte ich auf der jeweiligen Seite der Nachricht vermitteln?
• Mit welchen Formulierungen kann ich auf jeder Seite explizit ausdrücken, was ich vermitteln möchte?
• Wie sage ich es mit angemessener Körperhaltung, Lautstärke, etc.?
• Welcher Rahmen (Ort, Zeit, etc.) ist für meine Botschaft angemessen?
• Wie stelle ich sicher, dass angekommen ist, was ich sagen wollte?

Missverständnisse klären

Wenn es Konflikte gibt, Beziehungen schwierig werden oder Mitarbeiter etwas anderes tun, als man ihnen aufgetragen hat, können Missverständnisse die Ursache sein. Das Vier-Seiten-Modell kann zur Klärung solcher Missverständnisse beitragen, indem man im Gespräch klärt:
• Was ist auf den vier Seiten angekommen?
• Was war auf den vier Seiten gemeint?

Bei misslungener Delegation sind es meist die Sachbotschaft und der Appell, die nicht verständlich genug oder nicht ausführlich genug übermittelt wurden. Es wurde zum Beispiel der notwendige Kontext nicht hergestellt oder derselbe Begriff ist bei den Gesprächspartnern mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt. Schwieriger ist es meist, missverstandene Beziehungsbotschaften zu klären, vor allem wenn in der Folge Misstrauen entstanden ist.

Wenn die Ursache für die Schwierigkeiten nicht in einem Missverständnis liegt, ist es allerdings nicht zielführend, einen Konflikt als Folge eines Missverständnisses darzustellen. In dem Fall gilt es, den tatsächlichen Ursachen auf den Grund zu gehen und die eigentlichen Schwierigkeiten beim Namen zu nennen. Es handelt sich dann wieder um ein schwieriges Gespräch, auf das man sich mit Hilfe des Modells vorbereiten kann.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren vier Ohren gemacht?

 

Lydia Girndt

 

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