Mr and Mrs Right: Eigenschaften erfolgreicher Führungskräfte (2)

Letzte Woche haben wir festgestellt: Es gibt keinen allgemeingültigen Eigenschaftskatalog, der den Erfolg garantiert. Aber es gibt jede Menge Eigenschaften, die es zu entwickeln und auszubauen lohnt. Heute führen wir unsere Liste wie versprochen fort. Überlegen Sie selbst, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen in Ihrer Situation besonders wichtig sind.

Enthusiasmus

„Wir haben uns überlegt, unserem Abteilungsleiter einen Stöhnrahmen zu bauen“, erzählte uns ein Mitarbeiterteam in einem Workshop. Sie haben damit drastisch ausgedrückt, wie häufig er am Türrahmen lehnt und jammert. Führungskräfte, die nur nörgeln und klagen, entmutigen ihre Mitarbeiter und blockieren sie. Wohin führt jemand, der nur jammert – ins Jammertal? Da wollen wir aber nicht hin und deshalb müssen wir die positiven Aspekte beleuchten und die Zuversicht erhalten oder wecken, damit die Aktivitäten aller auf das gemeinsame Ziel gerichtet werden. Wie letzte Woche im Abschnitt „Die Wissenschaft hat festgestellt, …“ beschrieben, gilt es eine positive Vision zu vermitteln und zu zeigen, dass man selbst an sie glaubt. Eine notwendige Eigenschaft? Kommt wieder auf die Aufgaben und das Team an, aber auf jeden Fall eine, die auch noch Spaß macht.

Respekt

In unserem Artikel zum Menschenbild haben wir schon dargelegt, welche Bedeutung die Einstellung zum anderen auf das Verhalten hat. Aus meinem Menschenbild im Allgemeinen und aus meinen Erfahrungen mit einem Menschen entwickeln sich Wertschätzung und Achtung ihm gegenüber – oder eben nicht. Wer sich von der Führungskraft gedemütigt fühlt, wird kämpfen, resignieren oder flüchten, aber nicht leisten. Respekt (gegenüber der Person) dagegen ist der Boden, auf dem auch Kritik (gegenüber dem Verhalten) fruchten kann. Durch meinen Umgang zeige ich dem Mitarbeiter, ob ich ihn als Menschen schätze oder als Produktionsfaktor kalkuliere. Sein Verhalten wird eine vielsagende Rückmeldung sein.

Souveränität

Souveränität als menschliche Eigenschaft meint Selbstbestimmtheit. Souveräne Führungskräfte machen sich nicht abhängig von der Meinung und dem Wohlwollen anderer. Darüber hinaus sind sie sich nicht nur ihrer Stärken, sondern auch ihrer Grenzen bewusst und können zu ihnen stehen. Sie bleiben authentisch und versuchen keineswegs, alles selbst zu wissen. Stattdessen erkennen sie an, dass andere Manches besser wissen und scheuen sich nicht, deren Rat einzuholen – ohne dabei an ihrem Führungsanspruch zu zweifeln. Souveränität braucht als Fundament meist reflektierte Erfahrung und wächst deshalb mit der Führungserfahrung, wenn sich die Führungskraft bewusst mit ihrem Führungsverhalten auseinandersetzt.

Vorbildlichkeit und Integrität

Die ‚Goldene Regel’ ist aus dem Volksmund bekannt: Wir sollen niemandem etwas antun, was wir nicht selbst bereit sind, hinzunehmen. Das biblische Original dazu ist sogar noch eine Stufe härter: Wir sollen uns anderen gegenüber so verhalten, wie wir es auch von ihnen erwarten. Hier ist nicht nur Unterlassung gefordert, sondern aktives Handeln. Nun atmen Sie nicht voreilig auf, wenn Ihnen die Bibel kein Maßstab ist. Mitarbeiter erwarten das tatsächlich bis heute. Auf die Führungsaufgabe bezogen heißt das, dass ich mich selbst so verhalte, wie ich es von meinen Mitarbeitern verlange. Damit ist nicht die Bereitschaft zu unmäßigen Überstunden gemeint, die manchmal eher der Selbstdarstellung als der effektiven Aufgabenerledigung dienen. Damit ist gemeint, dass die Führungskraft auch in Kleinigkeiten beispielhaft vorangeht und ihr Bestes gibt.

Dieser Ansatz birgt zwei Gefahren. Die eine Gefahr ist, sich selbst als Maßstab zu setzen und dabei Mitarbeiter zu überfordern. Die Grenzen der Mitarbeiter dürfen also nicht aus dem Blick geraten. Durch Übung können diese Grenzen sicher erweitert werden, aber der Maßstab sind die Grenzen des Mitarbeiters und nicht meine. Die andere Gefahr ist, es kaschieren zu wollen, wenn es mit der Vorbildlichkeit einmal nicht so geklappt hat. Hier wird die oben erwähnte Souveränität benötigt, um eigenes Fehlverhalten auch so nennen zu können. Am einfachsten ist es, wenn es gemeinsam entwickelte Regeln gibt und gegenseitiges Feedback ausdrücklich erwünscht ist.

Vorbildlichkeit führt gemeinsam mit Integrität zu hoher Glaubwürdigkeit. Integre Menschen verhalten sich entsprechend ihres Wertesystems. Das geht ein Stück weit über reine Vorbildlichkeit hinaus. Sie sind für andere greifbar und zuverlässig und werden meist sehr geschätzt.

War’s das?

Nein, Ihnen fallen sicherlich weitere hilfreiche Eigenschaften ein. Nehmen Sie sich ruhig die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Es geht uns dabei keineswegs um Perfektionismus, sondern um eine ständige Weiterentwicklung, die (nicht nur) das Führen immer leichter macht. Nach den Eigenschaften geht es hier demnächst um die Kompetenzen, die Sie als Führungskraft brauchen.

 

Lydia Girndt

 

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