Menschenbilder – woran Führungstrainings scheitern

Das Führungsverhalten ist vom Führungsstil geprägt und dieser vom Menschenbild. Manchmal lohnt es sich, bis an die Wurzel zu gehen.

Die Bedeutung des Menschenbildes

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Menschen sind im Allgemeinen:

  • begeisterungsfähig
  • motiviert
  • bequem
  • leistungsorientiert
  • geldgierig
  • vertrauenswürdig
  • hinterlistig

 

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Mit „Menschenbild“ sind die Eigenschaften gemeint, die uns einfallen, wenn wir an die Gattung Mensch denken. „Es mag sicher Ausnahmen geben, aber im Allgemeinen sind Menschen doch eher …“. Je finsterer die Eigenschaften ausfallen, die jetzt folgen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich selbst zu den Ausnahmen zählt.

Seltsame Ansichten über die Menschheit im Allgemeinen und die Spezies Mitarbeiter im Besonderen wären nicht weiter schlimm, wenn sie sich nicht so stark auf unser Verhalten auswirken würden. Wer Menschen erst einmal für vertrauenswürdig hält, wird offen kommunizieren. Wer dagegen grundsätzlich Hinterlist erwartet, wird sich das tunlichst verkneifen. Das Menschenbild bildet eine Basis dafür, wie wir Mitarbeiter tendenziell führen, prägt also unseren Führungsstil und dieser wirkt sich wiederum auf das konkrete alltägliche Verhalten aus.

Das dürfte einer der Gründe sein, aus dem Führungstrainings häufig nur kurzfristig wirken. Um es einmal direkt auszudrücken: Wer mit seiner alten „Das-sind alles-faule-Säcke“-Einstellung respektvolle, frisch gelernte Methoden praktiziert, hält das meist nicht lange durch. Zudem verrät er seine wahre Meinung leicht durch seine Körpersprache, auf die die Mitarbeiter intuitiv reagieren und so auch noch seine Einstellung bestätigen. Nicht die Methoden sind dann das Problem, sondern ihnen fehlt die passende Basis.

Sonstwas-Man – eine Vielfalt von Menschenbildern

Welche typischen Menschenbilder prägen denn nun das Führungsverhalten?

McGregor stellte schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts zwei Managementtheorien gegenüber, die von gegensätzlichen Menschenbildern geprägt sind, Theorie X und Theorie Y.

Der Theorie X-Mensch ist

  • verantwortungsscheu und
  • arbeitsunwillig

Dementsprechend muss er

  • autoritär geführt werden
  • durch Druck zur Arbeit gezwungen werden
  • genauestens kontrolliert werden

Dagegen ist der Theorie Y-Mensch

  • arbeitsfreudig,
  • leistungsbereit und
  • eigeninitiativ.

Also muss die Führungskraft

  • ihm das Ziel sagen und dann
  • möglichst viel Gestaltungsspielraum geben, aber
  • kaum kontrollieren.

Laut Eberhard Ulich („Arbeitspsycholgie“) gab es im 20. Jahrhundert vier Menschenbildphasen, die unterschiedliche Aspekte betonten:

Der „Homo Oeconomicus“ wurde als rationaler Nutzenmaximierer betrachtet, als Mensch, der Verantwortung scheut und nur durch Geld motivierbar ist. Solche Menschen muss man über klare Anweisungen führen und darf ihnen keine Gestaltungsspielräume geben. Dazu passt die klare Arbeitsteilung im Taylorismus Anfang des 20. Jahrhunderts: auf der einen Seite die wenigen Planer und Gestalter, auf der anderen Seite die vielen stumpf Ausführenden. Heute wird der Mensch in den Wirtschaftswissenschaften noch immer unter dem Aspekt der Nutzenmaximierung betrachtet, aber „Nutzen“ ist weiter gefasst und bezieht auch emotionalen Nutzen mit ein.

Später entwickelte sich das Bild vom „Social Man“, also dem beziehungsorientierten Menschen, für den die Normen seiner Arbeitsgruppe wichtig sind. Die Führungskraft sollte also die Gruppendynamik beachten und unterstützend wirken.

Daraufhin rückte das Thema Selbstverwirklichung – auch in der Arbeit – ins Blickfeld. Der „Self Actualizing Man“ kann und will seine Arbeit selber gestalten. Dazu muss ihm die Führungskraft den nötigen Raum geben, damit er gute Arbeit leistet.

Schließlich wurde – in einer sich immer schneller wandelnden und komplexer werdenden Welt – der Mensch individueller betrachtet. Der „Complex Man“ unterscheidet sich nicht nur von anderen Menschen in dieser komplexen Welt, sondern kann sich selbst in verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich verhalten. Spätestens hier lässt sich nicht mehr allgemein sagen, wie die Führungskraft sich zu verhalten hat – es kommt ganz auf den Menschen und die Situation an.

Das waren nur einige Beispiele, wie man Menschenbilder kategorisieren und benennen kann. Die Bezeichnung ist aber egal, wenn man nur weiß, wie man sich am besten verhält.

Richtiges Menschenbild, richtiger Führungsstil

Was stimmt den nun? Wie ist der Mensch und wie lässt er sich am besten führen?

Wenn wir in unseren Workshops mit Führungskräften darüber reden, stimmen sie meist schnell dem Bild des „Complex Man“ zu. Natürlich sind meine Mitarbeiter unterschiedlich und müssen unterschiedlich behandelt werden! Die Antworten auf die Frage nach der Erwartungshaltung am Anfang des Workshops verraten aber, dass sie es manchmal lieber anders hätten. Fast immer fällt dort das Stichwort „Tools“ oder „Instrumente“ und es schimmert die Hoffnung durch, dass es darunter doch Patentrezepte gibt.

Im Alltag, in dem wir nicht in aller Ruhe über Menschenbilder reflektieren, vereinfachen wir häufig, reduzieren Komplexität. Als das heute noch dominante Menschenbild hat Heinz von Foerster das Bild vom Menschen als „triviale Maschine“ beschrieben. Es stellt den Menschen als gesetzmäßig bestimmt dar, von jeder Historie unabhängig und damit voraussagbar: Wenn ich mehr Geld zahle, wird er mehr arbeiten, wenn ich ihn lobe, wird er sich engagieren, etc. Und tatsächlich: Schön wär’s!

Da Führung immer bestimmte Ziele verfolgt, ist der Führungsstil dann „richtig“, wenn er langfristig die gewünschte Wirkung erzielt ohne die eigenen und die unternehmensweiten Wertmaßstäbe zu verletzen. „Richtig“ sollte also durch „wirkungsvoll im Sinne des angestrebten Ziels“ ersetzt werden. Wirkungsvoll ist der Führungsstil dann, wenn er zur eigenen Person, zu den Mitarbeitern und zur Situation passt. Es lohnt sich, die Klaviatur der Führungsstile beherrschen zu lernen. Mit den Tasten dieser Klaviatur wird sich der nächste Führungs-Artikel beschäftigen.

Welches Menschenbild herrscht in ihrem Unternehmen vor?

 

Lydia Girndt

 

3 Gedanken zu „Menschenbilder – woran Führungstrainings scheitern

  1. Liebe Frau Hörath, vielen Dank für das Lob. Dieses Herangehen macht Führung nicht unkomplizierter, aber effektiver. Lohnt sich also.

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