Heute schon ver-führt? – Häufige Führungsfehler (1)

Kennzeichen misslungener Führung

Eine Führungskraft soll Mitarbeiter im positiven Sinne so beeinflussen, dass sie zielgerichtet Leistung bringen. Wenn Mitarbeiter die erforderte Leistung nicht bringen, ist das häufig ein Anzeichen, dass da etwas mit der Führung nicht stimmt – nicht ausschließlich, aber auch. Wenn die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter nicht ausreicht, sind z. B. die Positionen schlecht besetzt, die Aufgaben ungünstig verteilt oder die Mitarbeiter nicht angemessen weiterentwickelt worden. Ist die Leistungsbereitschaft nicht (mehr) ausreichend, so kann es unter anderem daran liegen, dass die Führungskraft die Kunst der Demotivation zu gut beherrscht. Langfristig wirkt sich schlechte Führung immer auf die Leistung des Bereichs oder der Abteilung aus.

Um Führungsfehler zu erkennen, muss man allerdings nicht warten, bis die Kennzahlen am Boden sind. Alarmzeichen können die schlechte Stimmung in einer Abteilung, vermehrte Krankmeldungen, Dienst nach Vorschrift und ähnliche Anzeichen von Unzufriedenheit oder Stress sein. Oft herrscht auch Unsicherheit, was zu tun ist, wie die Prioritäten verteilt sind und wer zuständig ist. Spätestens wenn gute Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, gilt es, genau hinzusehen.

All diese Dinge müssen nicht, können aber an der Führung liegen. Die Führungskraft muss sie mindestens erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen. Eindeutiger zuzuordnen sind die Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen, Feedback-Gesprächen oder 360°-Feedbacks. Über Rückmeldungen der Mitarbeiter und ggf. Kollegen, Kunden und Lieferanten, lassen sich Defizite recht klar benennen. Ahnen Sie, von welchen Führungsfehlern wir besonders häufig hören?

Häufigster Fehler: Nicht führen

Viele Führungskräfte geraten in ihre Führungsrolle hinein, ohne sich der Führungsaufgaben bewusst zu sein. Teilweise bleiben sie auch so sehr im operativen Tagesgeschäft stecken, dass keine Zeit für die Führungsaufgaben bleibt. So treffen wir immer wieder auf Führungskräfte, die nicht entscheiden, keine Feedback-Gespräche führen, unzureichend delegieren, sich nicht um die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter kümmern oder Steuerung und Kontrolle vernachlässigen und vor allem viel zu wenig zielgerichtet kommunizieren und informieren. Manchmal sind sogar ihnen selbst die Ziele des Unternehmens nicht ganz klar, sodass sie diese nicht weitergeben könnten.

Wir sind manches Mal erstaunt, wie gut einige führungs-vernachlässigte Abteilungen noch funktionieren. Klar ist aber, dass sie weit hinter ihren Möglichkeiten zurück bleiben und manche von ihnen sind besonders bekannt für ihre Unbeliebtheit und hohe Fluktuation.

Die Beliebtheits-Falle

Es ist aufschlussreich, Führungskräfte und ihre Mitarbeiter getrennt zu befragen. In Abteilungen und Bereichen, in denen es gut läuft, wird aus beiden Perspektiven zumindest ein ähnliches Bild der Situation gezeichnet. Aber wenn Führungskräfte von einem durchgehend guten Verhältnis zu den Mitarbeitern berichten, kann die Situation aus Sicht der Mitarbeiter auch verheerend aussehen. Eine der Ursachen, die uns dafür begegnen, ist der Versuch der Führungskraft, es allen recht zu machen. Da die Führungskraft zwischen allen Stühlen sitzt, ist das oft nicht möglich. Interessen lassen sich nur bedingt integrieren. Immer wieder müssen Führungskräfte Entscheidungen treffen oder vertreten, die die Mitarbeiter nicht begeistern. Versucht jemand, es immer allen recht zu machen, endet er in einer Endlos-Schleife des Herumeierns und macht sich dabei an allen Stellen in höchstem Maße unbeliebt. Er ist in die Beliebtheitsfalle gelaufen, die die Aussicht auf Beliebtheit nur vorgaukelt. Mitarbeiter wünschen sich unserer Erfahrung nach größtenteils stringente Führungskräfte, die in unklaren Situationen Rückgrat zeigen und Position beziehen.

Drei weitere häufige Fehler präsentieren wir Ihnen in zwei Wochen. Bis dahin steht die Frage im Raum oder im Netz: Welche Führungsaufgaben kommen bei Ihnen zu kurz?

 

Lydia Girndt

 

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