Fähigkeiten erfolgreicher Führungskräfte (1)

Können Sie das?

Um mit Mitarbeitern Ziele zu erreichen, brauchen Führungskräfte ein Bündel unterschiedlicher Fähigkeiten. Wie versprochen, ergänzen wir die Einstellungen und Eigenschaften für erfolgreiches Führen jetzt um einige Fähigkeiten, die für den Führungsalltag benötigt werden. Das ganze Bündel lässt sich grob gliedern in

  • Fachkompetenz,
  • Sozialkompetenz,
  • Methodenkompetenz und
  • Persönlichkeitskompetenz.

Der Begriff „Kompetenz“ ist mehrdeutig. Hier ist er im Sinne von Fähigkeiten und Wissen gemeint, nicht im Sinne von Zuständigkeiten und Rechten – obwohl Sie die auch brauchen. Beginnen wir mit der Fachkompetenz.

Überblick durch Fachkompetenz: Breiten- statt Tiefenwissen

Je weiter oben in der Hierarchie Ihre Position angesiedelt ist und je größer das Unternehmen, desto weniger fachbezogenes Detailwissen benötigen Sie normalerweise. Denn die Führungsaufgaben sollten hierarchisch nach oben hin immer größeren Raum einnehmen. Eine Person an der Spitze eines mittelständischen Unternehmens braucht zwar einen fachlichen Überblick, um Marktentwicklungen einschätzen zu können und begründete Entscheidungen zu treffen. Aber die Spezialisten sind die Mitarbeiter.

Wenn das Unternehmen wächst, wird häufig ein mittleres Management benötigt, das sich auf einen ihm zugeteilten Bereich konzentriert. Das bedeutet einen erhöhten Kommunikationsbedarf, aber auf diesen Punkt, den Informationsfluss durch richtiges Kommunizieren, gehen wir später einmal ein. Bereichs- oder Abteilungsleiter brauchen Fachkenntnisse auf verschiedenen Ebenen. Der Marketingleiter hat zum Beispiel meist nur ein kleines Team und braucht recht detaillierte marketingbezogene Fachkenntnisse, aber nicht annähernd so detaillierte produktbezogene Fachkenntnisse wie der Leiter der Entwicklungsabteilung. Wie bei den Eigenschaften muss man also auch hier genau hinsehen, welche Anforderungen wirklich wichtig sind. Die Formel „je mehr, desto besser“ passt nicht. Wenn jemand die fachlichen Anforderungen übererfüllt, aber zu große Defizite im Bereich der Führung hat oder persönlich nicht passt, geht der Schuss nach hinten los.

Probleme, die uns bei Führungskräften begegnen, ergeben sich eher aus zu viel fachlichen Fähigkeiten als aus einem Mangel daran. Denn häufig wird die beste Fachkraft zur Führungskraft gemacht und kennt sich im neuen Aufgabenbereich Führung noch nicht aus, im alten aber besser als alle anderen. Die Versuchung und manchmal sogar die Notwendigkeit, die Führungsaufgaben zu vernachlässigen liegen nahe. Während die neue Führungskraft in ihren Führungsaufgaben entwickelt werden muss, muss ein Teammitglied fachlich so fit gemacht werden, dass die Führungskraft auch operative Aufgaben abgeben kann.

Es bleibt also festzuhalten, dass fachliche Kenntnisse oder die Möglichkeit, jederzeit an diese zu kommen, nach wie vor von äußerster Wichtigkeit für Entscheidungsprozesse und deren Rechtfertigung ist. Führungskräfte sollten jedoch der Versuchung widerstehen, sich zu sehr ins Detail zu vertiefen.

Einfluss durch Sozialkompetenz

Sozialkompetenzen sind essentiell für eine gute Mitarbeiterführung. Die positive Beeinflussung des Mitarbeiterverhaltens auf ein Ziel hin ist die definitionsgemäße Aufgabe von Führung. Der Begriff „Soziale Kompetenzen“ bündelt die Fähigkeiten im Umgang mit Menschen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Gesprächsführung
  • Konfliktfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kritikfähigkeit (im Geben und Nehmen)
  • Einfühlungsvermögen
  • Fähigkeiten, die Gruppendynamik zu steuern

Soziale Kompetenzen sind an sich nicht gut oder schlecht. Auch im ethischen oder gesetzlichen Sinne „schlechte“ Menschen können dummerweise Sozialkompetenzen haben und jede Menge Menschen erfolgreich mit ins Verderben reißen. Das macht noch einmal deutlich, warum wir den Einstellungen und Eigenschaften in den vorangegangenen Artikeln relativ viel Raum gegeben haben. Wir setzen hier einfach einmal voraus, dass Sie an konstruktiver Zusammenarbeit im Hinblick auf konstruktive Ziele interessiert sind.

Dafür brauchen Sie eine generelle Offenheit für Ihr Gegenüber mit seinem individuellen Hintergrund, seinen Normen und Werten. Hier ist Sensibilität und Wertschätzung für anderes und andere im hohen Maße gefordert. Kompetenzen im sozialen Bereich stärken das Vertrauen anderer in Ihre Person. Daher sollten Sie gerade in schwierigen Situationen Verlässlichkeit, Offenheit und Vertrauenswürdigkeit Ihren Mitarbeitern gegenüber zu vermitteln wissen.
Woher bekommt man diese Kompetenzen? Hilfreich ist in jedem Falle Grundlagenwissen. Zu Kommunikation und Gesprächsführung können wir Ihnen als Start unsere Artikel aus dieser Kategorie empfehlen. Die eigentlichen Fähigkeiten erlangen Sie aber vor allem durch Beobachten, Vorbereiten, Üben, Reflektieren, Üben, Reflektieren, Üben, Üben, Üben. Und wieder reflektieren. Das geht bei sozialen Kompetenzen schlecht alleine, deshalb gehören hierher die häufig zunächst unbeliebten Rollenspiele mitsamt offenem Feedback. Sie sollten so alltagsnah wie möglich sein, also am besten konkrete Fälle durchspielen. Zusätzlich sollten Sie aber auch noch eine Lernmöglichkeit nutzen, die sich leichter in den Alltag einbauen lässt: Holen Sie sich Feedback von Kollegen und Mitarbeitern. Das ist zwar von Mitarbeitern meist wesentlich vorsichtiger formuliert als im Workshop oder Seminar von Kollegen und Beratern, aber dafür fördert es gleichzeitig noch die Feedbackkultur in ihrem Team. Die Möglichkeiten schließen sich ja gegenseitig nicht aus.

Ihre Erfahrungen sammeln wir gerne in den Kommentaren. In der nächsten Woche geht es hier dann um Methoden- und Persönlichkeitskompetenz.

 

Lydia Girndt

 

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