Nichts bleibt – 3 Veränderungsszenarien (2)

Nun hatten Sie zwei Wochen Zeit, über Ihre reaktiven Veränderungen der letzten 12 Monate nachzudenken. Hätten Sie früher und entspannter aktiv werden können? Wir empfehlen vorausschauendes Handeln, das zweite Szenario …

Der Not vorbeugend: Vorausschauend verändern

Der im letzten Artikel erwähnte Vater eines im Hinblick auf Unternehmensführung zögerlichen Kindes hat das Thema frühzeitig mit uns diskutiert. So blieb genug Zeit, eine sinnvolle Lösung mit allen Beteiligten zu erarbeiten. Inzwischen hat der kreative Junior mit einem weiteren Gesellschafter gemeinsam seine Ideen erfolgreich umgesetzt.

Bei Nachfolgeregelungen ist es außer bei plötzlichem Ausscheiden leicht, den Bedarf früh zu erkennen. Der Unternehmer kann frühzeitig einen Nachfolger intern aufbauen oder extern suchen. Die beiden können ausreichend lange nebeneinander arbeiten. Der Neue kann sich die Akzeptanz bei seinen Leuten erwerben und dabei vom Vorgänger gestärkt werden. Voraussetzung dafür ist, dass es einen klaren Übergabetermin gibt und der Senior dann auch wirklich loslässt.

Wer Entwicklungen und Trends intern wie extern beobachtet und sich fragt, wie sie sich auf das eigene Geschäft und Unternehmen auswirken, kann sich den erwarteten Veränderungen anpassen. Auch hier geht es um Anpassung, aber eben pro-aktiv. Diese Art von Veränderungen lässt viel mehr Gestaltungsspielraum als die notgedrungene. Der Veränderungsbedarf ist Kollegen und Mitarbeitern nur schwerer zu vermitteln.

Ein anderes Beispiel hätten wir Ihnen hier gerne als frühe Anpassung vorgestellt: Als deutlich wurde, dass es für das Lesen von E-Books erschwingliche, handliche Geräte gibt und zunehmend geben wird, haben wir verschiedentlich Verlage angesprochen, ob wir sie im Veränderungsprozess begleiten sollen. Die Reaktionen fielen von erstaunt bis amüsiert aus. So weit sei es noch lange nicht. Statt frühzeitig den Trend mitzugestalten, sind sie ihm später hinterher gehechelt.

Ganz anders ein Kunde, der schilderte: Wir sind gewachsen und wachsen weiter. Wir werden mit den vorhandenen Strukturen irgendwann an Grenzen stoßen, unsere Qualität nicht mehr liefern können und daran möglicherweise sogar kaputt gehen. Deshalb wollen wir heute schon skalierbare Strukturen aufbauen. Das haben sie getan und konnten das wachsende Auftragsvolumen gut bewältigen. Ein großer Vorteil war hier, dass wir das Unternehmen und alle Mitspieler lange kannten. Es hat sich dort eine Kultur des gemeinsamen Vorausschauens und proaktiven Handelns entwickelt, auf deren Basis sich viel bewegen lässt.

Mit offenen Augen und Ohren unterwegs sein

Frühe adaptive Veränderungen sind nur möglich auf Basis guter Beobachtungen. Dem strategischen Management wird empfohlen, neben dem Wettbewerb und dem Markt auch

• technologische,
• makro-ökonomische,
• politisch-rechtliche,
• sozio-kulturelle und
• natürliche Umweltfaktoren

genau zu beobachten. Was tut sich da? Beeinflusst es unsere Geschäftsbereiche? Ergeben sich daraus Chancen oder Risiken oder gar beides? Buchhandel und Druckereien haben wie die Verlage größtenteils die Intensität und das Tempo, mit der die Digitalisierung das Geschäft beeinflusst, unterschätzt. Was bedeutet es für die Automobilindustrie, dass das Auto als Statussymbol bei jungen Menschen in Deutschland an Bedeutung verliert? Ergeben sich auch für unser Unternehmen durch neue Freihandelszonen lohnenswerte Chancen?

Zahlreiche Entwicklungen bieten Chancen, die womöglich der Wettbewerb vor dem eigenen Unternehmen ergreift. Vielleicht ist es so gewollt, damit andere sich um die Kinderkrankheiten der Märkte und Technologien kümmern, aber solche Entscheidungen sind nur aktiv möglich. Reaktiv kann die Unternehmensführung höchstens Glück haben, dass es nicht zu früh Chancen ergriffen hat. Gestaltende Unternehmensführung sieht anders aus.

So anstrengend das ist, die Welt steht nicht still. Wer kalt erwischt wird, wenn günstige Substitutionsprodukte den Markt erobern, wenn der Wettbewerb attraktiver für potenzielle und vorhandene Mitarbeiter wird, wenn ganze Branchen ihre Bedeutung verlieren oder verändern, kann nur noch möglichst gutes Krisenmanagement betreiben. Damit hängen Veränderungen zusammen, die aber meist weder den Unternehmern noch ihren Mitarbeitern Freude machen.

Was sind die Trends in Ihrer Branche?

Welche branchenunabhängigen Entwicklungen beeinflussen Ihr Geschäft?

Das dritte Szenarion ist sogar noch ein wenig attraktiver. Dazu mehr im nächsten Artikel.

 

Lydia Girndt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

css.php