Mitarbeiter in Veränderungen mitziehen

Nach all unseren Hinweisen auf Widerstände und Hindernisse in Veränderungen drängt sich die Frage auf, ob Veränderungsprozesse überhaupt eine Chance haben. Glücklicherweise gibt es genügend Beispiele für erfolgreiche Veränderungsprozesse. Sie können drei Ansätze kombinieren, um die Hindernisse und Widerstände zu überwinden. Der erste ist das ‚Ziehen‘.

Unternehmer, die eine Veränderung anstreben, wollen mit ihrem Unternehmen meist ein höheres Niveau erreichen, mindestens auf einige Aspekte bezogen. Uns gefällt ein Bild, das auch Peter Kruse in ähnlicher Weise verwendet: In seinem derzeitigen Zustand ist das Unternehmen wie eine Kugel, die am niedrigsten Punkt einer Ebene liegt.

Die Kugel wird nicht von selbst auf das andere Niveau kullern, denn schließlich ist das Unternehmen ein komplexes System und als solches strebt es nach Stabilität. Die höhere Ebene zu erreichen, erfordert an sich schon jede Menge Anstrengung, denn es geht bergauf. Von alleine rollt es immer wieder in die Ebene zurück. Zwischen der Ist- und der Zielebene liegt jedoch auch noch der Berg aus Widerständen.

Die größte Chance, das Zielniveau zu erreichen, hat der Unternehmer bei diesem Bild mit einer Dreifachstrategie aus Ziehen, Schieben und Ebnen.

Mit einer attraktiven Vision Begeisterung wecken

Was könnte das Unternehmen aus seinem jetzigen Zustand herausziehen? Man bräuchte irgendeine Anziehungskraft. Das Fremdwort für Anziehungskraft heißt Attraktivität. Es gibt nicht nur überdurchschnittlich attraktive Personen, die viele Menschen anziehend finden. Es gibt auch sehr attraktive Unternehmenszustände.

Zuerst muss sich das Führungsteam darüber klar sein, was erreicht werden soll und was daran so attraktiv ist, dass es die Mühe lohnt. Das erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit den Veränderungszielen. Eine attraktive Vision ist eine echte Errungenschaft. Sie ist nur zu bekommen, wenn Sie miteinander darum ringen. Die Zeit und die Mühe sind es wert, denn danach haben die Mitglieder des Führungsteams nicht nur die Vision ‚abgenickt’, sondern sie verinnerlicht und können sie überzeugend vertreten.

Darüber hinaus ist eine Vision anschaulich. Das steckt schon im Wort. Wenn man sie nicht wenigstens mit Worten malen kann, ist es keine Vision. Sie braucht die Anschaulichkeit, um ihre Zugkraft zu entwickeln. Wer seine Mitarbeiter nur auf der Sachebene erreicht, erzeugt Verstehen, aber kein Wollen: „Okay, ich sehe ein, dass wir diesen Schritt gehen müssen / dass dieses Ziel sinnvoll ist.“ Das ist ja schön, aber die Kraft, mit der man Berge überwindet, gibt es nicht.

Rufen die Kollegen dagegen mit strahlenden Augen: „Wow, ist das genial! Können wir das etwa echt erreichen? Was müssen wir tun?“, dann haben Sie sie auf der emotionalen Ebene angesprochen.

Das ist nicht einfach? Stimmt. Es kann Ihnen aber genau die Kraft geben, die Sie später brauchen, wenn es steinig wird. ‚Steinig’ ist an dieser Stelle ein wichtiges Stichwort. Euphorie bei der Vision ist erlaubt und erwünscht, weil sie die Mühe ja wirklich wert sein muss. Sobald Sie das verdeutlicht haben, verschweigen Sie bitte nicht, dass der Weg dorthin steinig wird.

Stellen Sie sich vor, Sie gaukeln Ihrem euphorisierten Team einen leichten Aufstieg vor. Beim ersten Baumstamm, der im Weg liegt, kehren Ihre Leute enttäuscht und frustriert wieder um. Wenn Sie dagegen angekündigt haben: „Wir können das schaffen und wir werden es schaffen, aber der Weg dahin wird anstrengend. Wir werden sicher Rückschläge wegstecken müssen und dürfen das Ziel dann nicht aus den Augen verlieren“, ist der Baumstamm kein Drama. „Das war ja zu erwarten“, sagen alle und gucken, ob sie drüber kommen oder ihn aus dem Weg räumen können.

Wissen Ihre Mitarbeiter schon, was Sie 2016 erreichen wollen und warum sich das lohnt?

 

Lydia Girndt

 

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