Etwas besser oder besser anders? Unterschiede zwischen Optimierung und Innovation

Es ist ein großer Unterschied, ob Sie im Unternehmen etwas ‚nur’ verbessern wollen oder ob Sie etwas grundsätzlich verändern wollen.

Besser geht’s immer

Vorhandenes lässt sich meist optimieren. Zum Beispiel erhöht sich die Produktivität häufig, wenn vorhandene Systeme und Technologien konsequenter, vollständiger, effizienter genutzt werden, wenn der Teilnehmerkreis eines Meetings angepasst wird, wenn sich alle besser vorbereiten oder Aktionslisten als Protokollersatz geführt werden. Wir haben in unserer kollegialen Zusammenarbeit so manche Aha-Erlebnisse, wenn wir einander zufällig oder mit Absicht über die Schulter schauen. Da entdecken wir plötzlich, wie ein Kollege drei Schritte im EDV-System in einem erledigt und merken, dass wir das System noch nicht clever genug nutzen. Auch der Austausch darüber, welche Apps Kollegen und Kunden nutzen und wie sie sie einsetzen, ist für die eigene Arbeit sehr hilfreich.

So geht es auch in manchen Workshops um die Frage, wie sich das Vorhandene weiter optimieren lässt. Wie können wir die Jahresgespräche geschickter vorbereiten und besser strukturieren? Wie können wir mit emotionalen Ausbrüchen im Gespräch besser umgehen? Können wir die Aufgaben besser untereinander aufteilen?

Diese Optimierungen sind wichtig. Sie können einem das Arbeitsleben sehr erleichtern, das Miteinander angenehmer machen und die Produktivität steigern. Sie erfordern häufig nicht nur eine Verhaltensänderung, sondern auch eine Reflexion und ‚Überarbeitung’ der eigenen Einstellungen. Insofern sind sie teilweise ein wenig mühsam. Zumindest erfordern sie Zeit, denn unsere ganze Technik nutzen wir nur optimal, wenn wir uns mit ihren Nutzungsmöglichkeiten auseinandersetzen. Neue Gesprächsführungstechniken müssen darüber hinaus auch noch geübt und immer wieder reflektiert werden. Deshalb tauchen bei vielen Optimierungsanliegen einige der beschriebenen Widerstände auf.

Anders geht’s noch besser

In unseren Workshops arbeiten wir nur sehr eingeschränkt mit Spielen oder Übungen. Doch ab und zu setzen wir zur Auflockerung eine Übung ein, in der es um Verbesserungen geht. Wir werden sie hier nur andeuten, um es Ihnen nicht zu leicht zu machen, falls wir sie noch einmal mit Ihnen durchführen wollen. Sie besteht aus mehreren Durchgängen und die Gruppe soll die Aufgabe jeweils besser durchführen als beim vorherigen Durchgang. Fast jede Gruppe versucht es zunächst mit mehr Konzentration und Geschick. Die Teilnehmer strengen sich mehr an. Tatsächlich erzielen sie so einige Verbesserungen.

Wenn wir immer weiter bohren, ob es nicht noch besser geht, reagieren einige Personen genervt und sagen sinngemäß: „Jetzt reicht es. Wir haben uns deutlich verbessert. Irgendwann muss es auch einmal gut sein.“ Sie haben damit nicht ganz unrecht, wenn man vom immer gleichen Verhaltensmuster ausgeht. Da lassen sich durch Übung irgendwann nur noch minimale Verbesserungsschritte erreichen. Lohnt sich dafür der Aufwand noch?

Der Hinweis, dass alle anderen Gruppen zu deutlich besseren Ergebnissen gekommen sind, weckt allerdings in den meisten den Ehrgeiz. Übertragen auf den Unternehmensalltag ist das auch gut so. Wenn der Wettbewerb deutlich besser ist, reicht es nicht, dass wir schon unser vermeintlich Bestes geben. Spätestens hier kommen die meisten Gruppen darauf, dass sie nicht einfach das bisherige Vorgehen besser umsetzen müssen, sondern dass sie es ganz anders versuchen müssen. Sie müssen die bisherige Denkspur verlassen, Grenzen im Kopf überwinden und ihr Muster ändern.

Erfreulich ist: Egal, welche Branche wir vor uns haben und egal, ob es fünf oder 15 Teilnehmer sind, gemeinsam sind sie ab dieser Erkenntnis immer kreativ genug, noch zwei bis drei große Verbesserungssprünge zu schaffen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen ziehen die Ehrgeizigen und Spielfreudigen auch immer die vorher etwas Lustlosen mit. Es reicht die Erkenntnis: Wir können uns um ein Vielfaches steigern und müssen uns dazu nicht wahnsinnig anstrengen, sondern es nur anders machen. Zwischen den Durchgängen sind die Pausen jetzt etwas größer, weil die Gruppe die neuen Methoden erst einmal erfinden und abwägen muss. Dafür sind aber auch die Steigerungen von Durchgang zu Durchgang viel beeindruckender.

Das ist die Art von Veränderung, die wir hier betrachten. Wie lässt sich solche Veränderung systematisch initiieren und gestalten?

Veränderung in 4 dynamischen Phasen

Veränderungen im Unternehmen passieren auf jeden Fall. Wir haben hier schon empfohlen, sie frühzeitig selbst zu initiieren, anstatt spät zu reagieren. Wie lassen sich nun Veränderungsprojekte von vorne bis hinten steuern, wenn sie neben den üblichen Widerständen und Hindernissen so viele unplanbare und unbekannte Elemente enthalten? Es kommt doch immer darauf an – auf alles Mögliche!?

Wir schlagen ein grundsätzliches Vorgehen in folgenden Phasen vor, mit denen wir uns in den nächsten Artikeln beschäftigen:

  • Veränderungsbedarf oder –chance feststellen
  • Vision formulieren und konkretisieren
  • Planen, umsetzen, kontrollieren
  • Feiern
 

Lydia Girndt

 

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