Wie Sie dynamisch durch die Veränderung steuern (1)

Erinnern Sie sich an die durch Gummibänder verbundenen Schachfiguren? Die Bewegung einer Figur zieht andere nach. Und eine Eigendynamik haben die Figuren auch noch! Mit dem Kickoff haben Sie das Spiel eröffnet und hoffentlich genug Begeisterung aufgebaut, damit die Figuren tatsächlich in Bewegung geraten.

Um die Partie erfolgreich zu spielen, gilt es nun, die Zugkraft aufrecht zu erhalten, durch Schubkraft zu ergänzen und Widerstände abzubauen. Dazu haben wir viele Anregungen gegeben, aus denen die richtigen auszuwählen und umzusetzen sind.

Ergänzend geben wir hier Anregungen dazu, wie sich die komplex-dynamische Sonder-Spielsituation gestalten lässt, obwohl die übliche Steuerung nicht möglich ist.

Dynamiko statt Schach – Warum Sie die Perspektive ändern sollten

Wenn das Leitungsteam der Schachspieler ist, steht es vor herausfordernden Fragen:
Wo ist auf diesem neuen, ungewöhnlichen Spielfeld eigentlich das Zentrum, das ich kontrollieren muss, um erfolgreich zu sein? Wo sind die Flügel?
Wie viele meiner erstaunlich vielen Figuren haben Springerqualitäten und was haben die für eigene Pläne?
Wenn ich den Turm ziehe und er willig mitzieht, welche Figuren hängen dann da noch dran?

Selbst wenn Wettbewerber und Kunden gar nichts machen, ist es schon schwierig, das eigene Spiel in den Griff zu bekommen. Das größte Hindernis ist die Perspektive. Das Leitungsteam betrachtet die Situation wie ein normales Schachspiel mit lauter Sonder-Schwierigkeiten: zu viele Leute, die undurchschaubar zusammenhängen und sich unvorhersehbar verhalten.

Wir empfehlen, die Perspektive zu ändern. Wenn es ein Schachspiel wäre, dann könnten wir es nach Schachregeln spielen. Offensichtlich können wir das nicht, also ist es kein Schach. Nennen wir es doch anders, um nicht mit völlig falschen Annahmen heranzugehen. Nennen wir es einfach Dynamiko.

Dynamiko ist ein neues Spiel mit eigenen Regeln, die wir im Laufe des Spiels kennenlernen. Plötzlich stecken darin lauter Möglichkeiten statt Hindernisse: eine Vielzahl unterschiedlicher Leute mit verschiedenen Stärken, die mit anderen verbunden sind und sie mitziehen können, die mitdenken können und eigene Entscheidungen treffen, wenn unerwartete Unebenheiten im Gelände auftreten.

Herzlich willkommen bei Dynamiko, einem Spiel voller Überraschungen und Möglichkeiten.

Veränderung steuern mit eigendynamischen Türmen und Bauern

Da Türme, Bauern und alle anderen Figuren im Dynamiko ihre Möglichkeiten und ihre Verbindungen selbst besser kennen als das Leitungsteam, drängt es sich geradezu auf, sie schon in die Planung mit einzubinden.

Idealerweise gibt es eine gemeinsame Plattform für alle Mitarbeiter, auf der sie Ideen und Gedanken einbringen können. Vielleicht haben Sie schon im Kickoff eine Mindmap begonnen, die nun alle gemeinsam im Intranet ausbauen. Mindmaps bieten die Möglichkeit zu einer Art strukturiertem Brainstorming und führen oft von einer Idee zur nächsten, ohne dass die übrigen Ideen aus dem Blickfeld geraten. In der Mitte können die Kern-Schlagworte der Vision stehen.

Wer eine solche Kultur des gemeinschaftlichen Weiterentwickelns schon etabliert hat, bekommt vielleicht tatsächlich kurz nach dem Kickoff Ergänzungen von Mitarbeitern. Unsere Erfahrung ist allerdings, dass das ‚Tagesgeschäft’ sehr schnell wieder die Oberhand gewinnt und sämtliche moderne Nutzungsformen des Intranets erst eingeübt werden müssen.

Das macht nichts. Die Führungskräfte müssen die Vision sowieso penetrant in unterschiedlichsten Situationen ansprechen. Dann können sie auch in Besprechungen die Mindmap an die Wand werfen und gemeinsam mit den Mitarbeitern gucken, was sich dort getan hat und was ihnen noch dazu einfällt. Hatte da womöglich jemand aus Abteilung A eine Idee, bei der er nicht bedacht hat, wie es sich auf unsere Abteilung auswirkt? Das gilt es schleunigst zu kommentieren. Können wir seine Idee so abwandeln, dass der gute Kern erhalten bleibt und sie keinen Schaden anrichtet?

Ergänzen lässt sich dieses Regelvorgehen durch spontane Fragen und Ideen im Gespräch: Wie wirkt sich das auf unseren Veränderungsprozess aus? Können wir es nutzen? Wer trägt es wie ins Intranet ein?

Nach ungefähr vier bis sechs Wochen, wenn alle Regelmeetings mindestens einmal stattgefunden haben, kann das – eventuell erweiterte – Leitungsteam prüfen, welche Hauptzweige sich herauskristallisieren. Welche Unterprojekte lassen sich ableiten? Welche Risiken müssen im Blick behalten werden? Wo will das Leitungsteam noch etwas ergänzen? Was ist nicht sinnvoll?

Die erste Grundregel im Dynamiko lautet: Binden Sie Ihre Figuren so stark wie möglich ein!

 

Lydia Girndt

 

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