Dem Wettbewerb voraus – Trends erkennen und setzen (2)

Um Trends zu erkennen und die Chancen für Ihr Geschäft abzuwägen, müssen Sie sich als Leader für fast alles interessieren, haben wir geschrieben. Wie soll das gehen?

Alles geht nicht?! Wie Sie die Informationsmasse bewältigen

Geschäftsführer stehen vor zwei Problemen die sich gegenseitig verschärfen: Der Tag hat nur 24 Stunden und Informationen gibt es ohne Ende. Wenn der Tag länger wäre, könnten sie etwas mehr Informationen aufnehmen. Wenn andererseits die Informationen überschaubarer wären, könnten sie sich in weniger Zeit einen Überblick verschaffen. Für beide Probleme möchten wir einige Anregungen geben.

Der begrenzten Zeit können Sie mit einer Doppelstrategie begegnen. Erstens können sie die Informationssammlung auf mehrere Personen verteilen. Zweitens können Sie andere Aufgaben und Kompetenzen abgeben, damit Sie selbst mehr Zeit für die Informationen haben.

Wer kann für Sie Informationen sammeln und zusammenfassen? Wir schlagen folgende Helfer vor:

  • Geschäftsleitungskollegen und Stabstellen
  •  Schüler
  • Studenten
  •  Virtuelle Suchassistenten
  •  das Führungsteam
  •  Externe

Manche unserer Kunden haben ein Mitglied der Geschäftsleitung mit genau diesem visionären Part betraut. Je kleiner Ihr mittelständisches Unternehmen ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Sie dafür mehrere Stabstellen haben. Wenn Sie mindestens eine Assistenz hätten, die versteht, worauf es ankommt, wäre das schon hilfreich. Die Funktion ‚Assistenz’ beinhaltet bei einigen unserer Kunden Verwaltungsaufgaben und Terminkoordination, bei anderen bereitet die Assistenz Entscheidungen vor und bei wieder anderen koordiniert sie auch interne Projekte und steuert so die Umsetzung von Entscheidungen. Wir meinen hier jemanden, der fachlich und methodisch in der Lage ist, relevante Informationen zu sammeln, zu bewerten und zu strukturieren.

Je nachdem, wie viele Vorkenntnisse für die Informationsauswahl notwendig sind, können Recherche und erste Sammlung aber selbst interessierte Schülerpraktikanten übernehmen. Auch Studenten brauchen Praktika und Abschlussarbeiten. Sie können für vertiefende Analysen eingesetzt werden, für die auch eine Assistenz keine Zeit hat.

Wenn Sie gerne alle in einer Suchmaschine auftauchenden Informationen zu einem bestimmten Schlagwort sofort hätten – zum Beispiel zu ihrem größten Wettbewerber –  können Sie dort Suchassistenten einrichten und in Ihrem Mailprogramm eine Regel festlegen, in welchem Ordner diese Informationen landen. Ihr Posteingang wird dann nicht belastet und sie können Wartezeiten nutzen, um einmal quer zu lesen, was Sie davon interessiert.

Externe stellen teilweise relevante Informationen gut aufbereitet zur Verfügung, die einen schnellen Überblick ermöglichen. Wir denken da zum Beispiel an Branchenberichte oder Studien. Darüber hinaus lassen sich Externe mit dem eigenen Anliegen beauftragen, zum Beispiel für Marktstudien und Kundenbefragungen. Sie haben es manchmal leichter als Interne an Informationen zu kommen, haben die notwendigen methodischen Kompetenzen und oft Instrumente, zum Beispiel Software, die sich für das Unternehmen selbst nicht lohnen würde.

Das Führungsteam und Ihre internen Experten sollten mindestens für ihren jeweiligen Bereich die Entwicklungen beobachten. Die Personalleiter müssen unter anderem herausfinden, welche Kompetenzen im Unternehmen gebraucht und am Markt vorhanden sind, wie andere ihren Bedarf an Fachpersonal decken, wo sich die Zielgruppe finden lässt und nach welchen Kriterien junge Menschen ihren Arbeitgeber auswählen. Wenn es eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung gibt, muss der Verantwortliche sich damit auseinandersetzen, woran die Forschung außerhalb des Unternehmens gerade arbeitet. Auch der Konstruktionsleiter muss da am Ball bleiben. Welche Materialien setzen andere ein? Welche Materialien sind in der Entwicklung, die in Zukunft für unsere Produkte interessant sein müssten?

Bei einigen – viel zu wenigen – Kunden erleben wir, dass das Führungsteam immer wieder Zukunftsszenarien spinnt. Am Workshopabend tauschen sich die Führungskräfte leidenschaftlich darüber aus, was sich in der Welt und in ihrer Branche gerade tut und wohin sich ihr Leistungsangebot entwickeln könnte. Dazu brauchen sie keinen speziellen Innovationsworkshop. Sie haben es in ihrer Kultur verankert, über die Zukunft zu diskutieren. Stärker verbreitet scheint uns allerdings eine Kultur des Lamentierens zu sein.

Wir möchten Sie herausfordern, sich regelmäßig im Führungsteam über mögliche Trends auszutauschen. Wir selbst treffen uns außerhalb des jährlichen Strategiemeetings noch mindestens zweimal im Jahr einen ganzen Tag zum strategischen Austausch. Dabei überprüfen wir nicht nur, ob die Umsetzung aus dem Jahresmeeting noch auf dem richtigen Wege ist, sondern diskutieren auch Trends und ihre Auswirkungen auf unser Geschäft. Natürlich können und wollen auch wir es nicht vermeiden, zwischendurch über Trends und Ideen zu sprechen, aber die spezifischen Meetings helfen dabei, strukturiert ein gemeinsames Bild und einen gemeinsamen Fokus zu bekommen.

War Ihnen klar, dass Sie so viel Unterstützung bei der Informationssammlung und 
-strukturierung nutzen können? Trotzdem brauchen Sie immer noch die Zeit, die aufbereiteten Informationen aufzunehmen und zu bewerten. Wahrscheinlich wollen Sie auch nicht ganz darauf verzichten, sich mit einigen Medien ungefiltert auseinanderzusetzen. Dazu von uns nur die eine Anregung: Trauen Sie Ihren Leuten mehr zu.

Wir treffen immer wieder auf Menschen im Unternehmen, die sich dort wegen jeder Kleinigkeit beim Vorgesetzten rückversichern müssen. Außerhalb ihrer Arbeitszeit sind sie Vorstände von Vereinen, zeichnen Kaufverträge für ganze Häuser und begleiten Kinder und Jugendliche als Trainer zu Wettkämpfen. Da passt etwas nicht zusammen. Wir weigern uns zu akzeptieren, dass diese Leute mit Betreten des Firmengeländes entscheidungsunfähig oder verantwortungslos werden.

Zugegeben, zwei Hindernisse gibt es. Eines besteht darin, dass manche Menschen im Unternehmen möglichst wenig Verantwortung wollen, weil sie seit Jahren dort entsprechend von der Kultur geprägt wurden oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. Da ist erst eine kulturelle Veränderung nötig. Ein weiteres Hindernis kann sein, dass sie tatsächlich im beruflichen Kontext nicht die notwendigen Kenntnisse oder Fähigkeiten haben. Das lässt sich meist mit einer Kombination aus guter Schulung, persönlicher Begleitung und Learning by Doing beheben.

Damit schneiden wir zwar ein sehr viel größeres und allgemeines Thema an, aber es trägt unter anderem auch dazu bei, dass sich die Unternehmensführung auf ihre Kernaufgaben konzentrieren kann.

Welche Quellen können Sie und Ihre Helfer nutzen, um Trends zu erkennen? Darum kümmert sich der nächste Artikel.

 

Lydia Girndt

 

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