Unternehmensnachfolge (2/6)

Herausforderungen für Unternehmer und Nachfolger

Was ist die Ausgangslage des neuen Eigentümers?

Er kommt in ein Unternehmen, für das er vermeintlich zu viel bezahlt hat und in dem normalerweise in den letzten Jahren nicht mehr viele
Investitionen getätigt wurden. Die Vorstellungen der alten Eigentümer sind häufig tatsächlich deutlich zu hoch. Investitionen haben sie gescheut, da sich durch höhere Erträge der Kaufpreis entsprechend nach oben anpassen lässt.

Der Nachfolger hat nicht Jahre lang im Unternehmen „geerntet“, sondern startet gerade durch, muss den Kaufpreis abtragen und Investitionsstaus ausgleichen.

Er trifft auf Mitarbeiter, die sich über viele Jahre an die Arbeitsweise des ehemaligen Eigentümers gewöhnt haben und von der Chemie
zueinander und zu ihm passen, häufig entsprechend auch etwas
‚antiquiert’ arbeiten. Im Normalfall ist er ein anderes Arbeiten gewohnt, ist mit großen Technologiesprüngen aufgewachsen und empfindet seine Arbeitsweise als normal.

Gerade hier trifft er auf Unverständnis und Widerstände:

„Das haben wir schon immer so gemacht“,
„Das Unternehmen ist doch jahrelang gesund gewesen. Jetzt soll das plötzlich schlecht sein und wir sollen alles anders machen!“

Der Nachfolger muss seinen eigenen Stand im Unternehmen finden,
zukunftsweisende Veränderungen durchführen und sich dabei die
Rückenstärkung der Keyplayer im Unternehmen sichern, damit die
Unternehmensnachfolge gelingen kann.

Der Unternehmer dagegen muss seine sichere Position und alles, womit er sich seit Jahrzehnten identifiziert hat, bei der Unternehmensübergabe loslassen und den Absprung in eine neue Lebensphase schaffen. Er hat in den vergangenen Jahren vielfältigste Erfahrungen sammeln können und herausfordernde Situationen mit Bravour gemeistert. Seine volle Aufmerksamkeit galt dem Unternehmenserfolg, für den er persönlich gerade stand. Nicht selten antwortet ein solcher Unternehmer auf die Frage nach seinem Wohlbefinden damit, wie es im Unternehmen gerade läuft.

Jetzt liegt vor ihm die eine Aufgabe, die er nicht jahrelang üben konnte: die Übergabe seines Unternehmens und sein Ausscheiden.
Der ‚Ruhestand‘ erwartet ihn, ein schwer vorstellbarer Zustand.

Die Situation ist einzigartig und meistens die emotionalste Situation, die der Unternehmer unternehmerisch je mitgemacht hat.

(Autor: Jörg Vonhoff)

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