Die Kunst das richtige Personal zu finden

Es war noch nie so schwierig geeignete Mitarbeiter zu finden wie heute. Noch
schwieriger ist es sie zu behalten. Als ein Unternehmen, welches sowohl in der
Personalsuche und –auswahl, als auch in der Personalentwicklung tätig ist, sind wir
immer wieder erstaunt, wie arglos einige Unternehmen mit dem inzwischen eindeutigen
Arbeitnehmerarbeits-markt umgehen. Will man die richtigen und für sich geeigneten
Arbeitskräfte finden sind folgende Faktoren entscheidend:

1. Interessante und herausfordernde Arbeitshinhalte / Job-Description
2. Arbeitgeberattraktivität (Standorte, Erreichbarkeit, Ruf im Markt …)
3. Rahmenbedingungen (Homeoffice, Parkplätze, Ausstattung der Arbeitsplätze, Kita…)
4. Zuschnitt der Aufgaben (Abwechslungsreichtum, Kompetenzen, Herausforderungen,
Entwicklungsmöglichkeiten)
5. Freundlichkeit im Umgang mit den Bewerbern
6. Geschwindigkeit der Kommunikation
7. Geschwindigkeit der Entscheidungen
8. Einarbeitung / Onboarding
9. Regelmäßiges Feedback

Nur wenn in allen Faktoren gepunktet wird, hat der Arbeitgeber eine Chance auf den
potentiellen Arbeitnehmer. Wer heute noch glaubt, er suche sich den Bewerber aus, der
irrt. Der Arbeitnehmer sucht sich seinen Arbeitgeber aus. Und seien Sie versichert:
wenn die Ansprache im Recruiting und/oder das Image des Unternehmens bzw. die
Aufgabe(n) nicht äußerst attraktiv sind, erhalten Sie weder eine Bewerbung noch
erfahren Sie das es diese Person gibt – die evtl. die perfekte Besetzung der Position
gewesen wäre.

Interessant ist, dass bei der Wahl des Arbeitgebers der Faktor Geld eine relativ
untergeordnete Stellung spielt. Viel mehr spielt inzwischen der flexible Umgang
miteinander eine zentrale Rolle. Dogmatische Hierarchieorientierung (Ich Chef, Du nix)
ist out. Feste Arbeitszeiten sind bei der jüngeren Generation genauso unerwünscht wie
die Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz oder das Verbot der Nutzung von digitalen
Tools und Systemen (z. B. Chatprogrammen, Cloudplattformen, etc.). Kommunikation
nimmt bei den jüngeren Mitarbeitern eine ganz wesentliche Rolle ein. Und hier ist die
freie Entscheidung elementar, wann, wo und wie !

Geschwindigkeit in der persönlichen Kommunikation ist genauso wichtig, wie die
Reaktionszeiten des potentiellen Arbeitgebers. Wie oft kommt es vor, dass die
Unternehmen Wochen brauchen, um Bewerbungstermine zu koordinieren. Nach sechs
Wochen hat man es dann endlich geschafft und ist nun verärgert, dass der Bewerber
bereits vor vier Wochen einen Arbeitsvertrag woanders unterschrieben hat. Es geht
generell erst mal nicht nur darum schnell zu sein, sondern dem Bewerber gegenüber
Professionalität und Wertschätzung zu zeigen. Auch sucht man häufig den 100 %-igen
Bewerber und man selber hätte die eigene Stelle auch nicht bekommen, wenn daran die
gleichen Kriterien angelegt worden wären. Besser ist es hier allemal realistische
Maßstäbe anzulegen (oder => Besser ist es sich zu fragen, ob ein Kandidat, der
ernsthaft interessiert ist und Potential hat, das Unternehmen vorwärts bringen kann.
Dies erfordert aber sowohl den Mut bewährtes in Frage zu stellen, neue Ansätze und
Herangehensweisen zuzulassen und Fehler oder sogar ein Scheitern zu akzeptieren.

Interessant ist auch, nach welchen Kriterien die Bewerber gesichtet und eingeladen
werden. Die Papierform in der Vergangenheit sowie die Fähigkeiten, die sie für die
zukünftige Stelle mitbringen stehen im Vordergrund. Teamfähigkeit steht oft auch noch
ganz vorne mit dabei, was aber im Grunde genommen nichts anderes heißt, als dass
der Bewerber bei den Kollegen möglichst nicht anecken soll. Wir empfehlen die neuen
Kollegen nach den folgenden Kriterien auszuwählen:

1. Potential
2. Chemie
3. Loyalität
4. Skills und Erfahrungen

Bei den sich ständig ändernden Anforderungen und den schnellen Entwicklungen
im Arbeitsmarkt ist das Potential der Bewerber sehr viel wichtiger, als das
derzeitige Know-How der Unternehmensorganisation.

Die Digitalisierung steht nicht vor der Tür, sondern wir sind mitten drin und ein
Mitarbeiter, der Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten nicht mitbringt, kann morgen
schon nicht mehr gebraucht werden. Die Chemie ist deshalb wichtig, weil sonst
Zusammenarbeit einfach nicht klappen kann und Aufgaben, wo diese nicht wichtig ist,
sind ziemlich rar gesät. Da in vielen Positionen die Einarbeitung eine gewisse Zeit
dauert und Menschen, die sich aneinander gewöhnt haben, besser zusammenarbeiten,
ist Loyalität ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Nichts ist schlimmer, als dass ein
Mitarbeiter mitten in einer wichtigen Aufgabe kündigt nur weil ein anderes Angebot für
den Moment verlockender ist. Gerade Loyalität gegenüber dem Unternehmen sind dann
unerlässlich, da sich erst nach einiger Zeit Routine, Erfahrung und reibungslose
Zusammenarbeit einstellen. Braucht man dieses nicht, ist es besser auf einen
Freelancer / Interimsmitarbeiter zurück zu greifen.

Nirgends wird so viel gelogen, wie in Bewerbungsgesprächen. Tun sie es nicht!
Spätestens in der Probezeit wird es offenbar und im schlimmsten Fall hat man
6 – 12 Monate Zeit verloren und zwar auf beiden Seiten.

Was sollten Unternehmen also tun?

1. Unternehmen perspektivisch ausrichten.
man kann keinen Status quo erhalten
2. Gutes Bewerbermarketing / verstehen, was einen Arbeitgeber für den Bewerber
attraktiv macht und nicht umgekehrt
3. Realistische Vorstellung von Stelle, Bewerber und Umfeld
4. Schnelle Entscheidungen und zeitnahes Reagieren
5. Viel mehr Engagement auf die Einarbeitung legen

Denken sie daran, dass die Geschwindigkeit für Veränderungen ständig zunimmt und
dass man gewohntes und auch lieb gewonnenes nicht festhalten kann.
Was übrigens auch schon Goethes Faust zu spüren bekam.

Homeoffice, Cloudcomputing, Videokonferenzen, flexible Arbeitsplätze etc. sind nicht
nur inzwischen state of the art sondern müssen Vorbild für alle anderen Kollegen und
Vorgesetzten sein, die immer noch glauben, sie könnten den Status quo bewahren.
Technologie und Generationen-Mix erleichtern unsere Zusammenarbeit ungemein. Es
geht hierbei nicht mehr darum ob, sondern nur noch darum wie und wann

 

Patricia Dietlmeier

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

css.php